Automationen sind der Grund, warum du Home Assistant überhaupt installiert hast. Licht an bei Sonnenuntergang, Heizung runter beim Verlassen des Hauses, Benachrichtigung wenn die Waschmaschine fertig ist: All das läuft über dasselbe Grundmuster. Wer es einmal verstanden hat, baut jede Automation nach demselben Schema.
Im Video aus der ABC-Reihe baue ich eine Automation Schritt für Schritt im Editor. Hier die Grundlagen zum Nachlesen.
Das Grundmuster: Trigger, Bedingung, Aktion
Jede Automation in Home Assistant besteht aus maximal drei Bausteinen. Zwei davon sind Pflicht, einer ist optional.
| Baustein | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Trigger (Auslöser) | Wann startet die Automation? | Sonnenuntergang, Bewegung erkannt, 7:00 Uhr |
| Bedingung (optional) | Soll sie wirklich laufen? | Nur wenn jemand zuhause ist |
| Aktion | Was passiert dann? | Licht einschalten, Benachrichtigung senden |
Der Trigger ist ein Moment, kein Zustand. Er feuert genau dann, wenn etwas passiert: Die Sonne geht unter, ein Sensor springt um, eine Uhrzeit ist erreicht. Die Bedingung wird erst danach geprüft. Sie ist der Türsteher: Trigger feuert, Bedingung entscheidet, ob die Aktionen tatsächlich laufen.
Diesen Unterschied verwechseln Einsteiger am häufigsten. "Wenn es dunkel ist UND jemand zuhause ist" klingt nach zwei Triggern, ist aber ein Trigger (es wird dunkel) plus eine Bedingung (jemand ist zuhause).
Die erste Automation anlegen
Einstellungen → Automationen & Szenen → Automation erstellen. Der visuelle Editor führt dich durch alle drei Bausteine, ganz ohne Code. Trotzdem lohnt der Blick hinter die Kulissen: Über das Drei-Punkte-Menü oben rechts schaltest du auf YAML-Ansicht um und siehst, was der Editor erzeugt.
1automation:
2 - alias: "Licht an bei Sonnenuntergang"
3 trigger:
4 - platform: sun
5 event: sunset
6 condition:
7 - condition: state
8 entity_id: person.daniel
9 state: "home"
10 action:
11 - service: light.turn_on
12 target:
13 entity_id: light.wohnzimmer
14 data:
15 brightness_pct: 60Genau die drei Bausteine von oben, nur als YAML. Du musst das nicht von Hand schreiben. Aber lesen können hilft enorm, etwa wenn du Beispiele aus Foren übernehmen willst.
Bei der Aktion lohnt ein Blick auf das Ziel. Du kannst einzelne Entitäten ansprechen, aber auch ganze Bereiche oder Labels. "Schalte das Licht im Esszimmer und Wohnzimmer ein" geht als ein Befehl auf zwei Bereiche, ohne jede Lampe einzeln aufzuzählen. Und bei Lampen kannst du direkt Helligkeit, Farbtemperatur und sogar einen Übergang mitgeben, also wie sanft das Licht hochdimmt.
Feinschliff: Versatz und Wochentage
Zwei Einstellungen machen aus dem Grundmuster schnell etwas Alltagstaugliches.
Der Sonnen-Trigger kennt einen Versatz: Die Automation feuert dann nicht exakt bei Sonnenuntergang, sondern davor oder danach. Praktisch, weil es bei Sonnenuntergang oft noch hell genug ist. Achte auf das Format, der Versatz will als Stunden, Minuten und Sekunden angegeben werden. Wer nur "30" einträgt, bekommt 30 Sekunden statt 30 Minuten. Gut aufgepasst, falls dir das im Editor mal passiert.
Die zweite Stellschraube ist die Wochentags-Bedingung. Damit läuft eine Automation nur werktags oder nur am Wochenende:
1trigger:
2 - platform: sun
3 event: sunset
4 offset: "00:20:00"
5condition:
6 - condition: time
7 weekday:
8 - mon
9 - tue
10 - wed
11 - thu
12 - friSonnenuntergang plus 20 Minuten, aber nur Montag bis Freitag. So baust du dir unterschiedliche Abendroutinen für Arbeitstage und Wochenende.
Testen statt warten
Eine Automation, die bei Sonnenuntergang feuert, testest du nicht, indem du bis abends wartest. Im Editor gibt es dafür Ausführen: Die Aktionen laufen sofort los, Trigger und Bedingungen werden übersprungen. So siehst du in Sekunden, ob die Aktion das tut, was du willst.
Für den Rest gibt es die Verlaufsansicht jeder Automation. Sie zeigt dir, wann die Automation zuletzt ausgelöst wurde und welcher Schritt wie gelaufen ist. Wenn etwas nicht feuert, ist das die erste Anlaufstelle, noch vor dem Troubleshooting-Guide.
Typische Einsteiger-Fehler
Der Klassiker: Geräte-Trigger statt Zustands-Trigger verwenden. Der Editor bietet dir gerne "Gerät" als Trigger-Typ an. Funktioniert, ist aber unflexibel. Tauschst du das Gerät aus, ist die Automation kaputt. Zustands-Trigger auf die Entity sind robuster und lassen sich später leichter anpassen.
Auch beliebt: die Bedingung vergessen. Die Bewegungsmelder-Automation funktioniert tagelang perfekt, bis das Licht nachts um drei angeht, weil die Katze durchs Wohnzimmer läuft. Eine Sonnenstand- oder Zeitbedingung hätte das verhindert. Frag dich bei jeder Automation einmal: Gibt es Momente, in denen sie NICHT laufen soll?
Zweiter Punkt: zu viel in eine Automation packen. Lieber drei kleine Automationen mit klaren Namen als eine riesige, die alles macht. "Licht an bei Bewegung Flur" sagt dir in einem Jahr noch, was sie tut. "Lichtsteuerung v2 final" nicht.
Und: Vergib von Anfang an sprechende Namen. Die Automation taucht in Logs, Dashboards und der Suche auf. Du dankst es dir später.
Zwei Beispiele aus meinem Alltag
Damit du siehst, wohin die Reise geht, zwei Automationen, die bei mir täglich laufen.
Die einfache zuerst: das Garderobenlicht. Ein Bewegungsmelder im Flur, zwei kleine Automationen. Bewegung erkannt, Licht an. Keine Bewegung mehr, Licht aus.
1automation:
2 - alias: "Licht an bei Bewegung Garderobe"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: binary_sensor.bewegung_garderobe
6 to: "on"
7 action:
8 - service: light.turn_on
9 target:
10 entity_id: light.garderobe
11 - alias: "Licht aus ohne Bewegung Garderobe"
12 trigger:
13 - platform: state
14 entity_id: binary_sensor.bewegung_garderobe
15 to: "off"
16 action:
17 - service: light.turn_off
18 target:
19 entity_id: light.garderobeMehr ist das nicht. Eine sinnvolle Erweiterung wäre noch eine Helligkeitsbedingung, damit das Licht nur angeht, wenn es wirklich dunkel ist. In meinem Flur fällt allerdings kaum Tageslicht, deshalb habe ich mir das gespart.
Das andere Extrem ist meine Filmabend-Automation. Sie hat vier Trigger am Apple TV: Wiedergabe startet, Wiedergabe ist seit zehn Sekunden pausiert, Gerät geht aus, Gerät geht in den Standby. Startet ein Film, speichert die Automation den aktuellen Zustand der Wohnzimmerlampen und schaltet sie aus. Bei Pause oder Stopp stellt sie genau den Zustand wieder her, der vorher herrschte. Wie man je nach Auslöser unterschiedlich reagiert, zeige ich im Video zu Trigger-IDs und dem Auswählen-Baustein.
Beide Beispiele folgen demselben Grundmuster. Der Unterschied ist nur, wie viele Trigger und Verzweigungen du reinpackst. Fang einfach an, der Rest kommt mit der Zeit von selbst.
Wenn das Grundmuster sitzt, geht es weiter mit Feinheiten: mehrere Trigger in einer Automation, Trigger-IDs, Auswahl-Logik. Dazu gibt es eigene Videos in der Reihe, und der Automationen-Guide sammelt alles an einem Ort. Begriffe wie Entity oder Service schlägst du im Glossar nach.
Häufige Fragen
Brauche ich Programmierkenntnisse für Automationen?
Nein. Der visuelle Editor deckt alles ab, was du hier gesehen hast, und du klickst dir Trigger, Bedingungen und Aktionen einfach zusammen. YAML lesen zu können ist trotzdem nützlich, weil viele Beispiele in Foren und Blogs als Code geteilt werden. Schreiben musst du es fast nie.
Warum löst meine Automation nicht aus?
Erste Anlaufstelle ist der Verlauf der Automation, der zeigt dir jeden Durchlauf mit allen Schritten. Häufige Ursachen: Die Automation ist deaktiviert, eine Bedingung blockiert, oder du hast einen Zustand als Trigger erwartet, der schon vorher aktiv war. Ein Trigger feuert nur beim Wechsel in einen Zustand, nicht solange er anhält.
Was ist der Unterschied zwischen Automation, Szene und Skript?
Eine Szene speichert einen Zustand, etwa "diese drei Lampen warmweiß bei 40 Prozent". Ein Skript ist eine Abfolge von Aktionen ohne eigenen Auslöser. Eine Automation verbindet beides mit einem Trigger: Wenn X passiert, führe Y aus. Szenen und Skripte kannst du aus Automationen heraus aufrufen.
Wie viele Automationen verkraftet Home Assistant?
Mehr, als du je bauen wirst. Mehrere hundert Automationen sind kein Problem, die Last entsteht durch das, was sie tun, nicht durch ihre Anzahl. Der Engpass bist du selbst: Ab ein paar Dutzend brauchst du sprechende Namen und Kategorien, sonst verlierst du den Überblick.
