Ich habe mir in den letzten Wochen EVCC von Grund auf aufgebaut: erst die Installation als Home Assistant Add-on, dann die Anbindung an Home Assistant über die ha-evcc Integration. Was noch gefehlt hat, war der Tesla. Der läuft jetzt auch komplett drin und ich zeige dir hier Schritt für Schritt, wie das funktioniert.
Das Setup läuft über myTeslaMate als Proxy-Service, eine eigene Tesla Developer App und ein paar Token-Generierungen über das Terminal. Klingt komplizierter als es ist. Mit einer halben Stunde Zeit bekommst du das hin.
Was du vorher brauchst
Bevor du hier weitermachst, solltest du ein paar Dinge bereits erledigt haben. EVCC muss laufen, entweder als Home Assistant Add-on oder als eigene Instanz, und du solltest die ha-evcc Integration schon eingerichtet haben. Dazu kommt noch die hass-evcc-card, die optional ist, aber ehrlich gesagt unverzichtbar, wenn du ein ordentliches Dashboard haben möchtest.
Natürlich brauchst du auch einen Tesla. Und wenn du eine Tesla Wallbox dazu hast, umso besser. Dann stimmt dein Setup mit meinem überein und du kannst das hier wirklich eins zu eins nachbauen.
Einen Account bei myTeslaMate brauchst du ebenfalls. Den legst du dir einfach über den Link in der Beschreibung an.
Wer steuert was?
Das ist eine wichtige Frage, bevor wir loslegen, weil es hier zwei Systeme gibt, die beide mit dem Auto reden wollen. Die Aufgabenteilung ist aber klar und es gibt keine Überlappungen.
EVCC übernimmt das eigentliche Laden. Also ob das Auto gerade Strom bekommt oder nicht, wie viel Phasen, ob PV-Überschuss da ist. Das alles entscheidet EVCC. Home Assistant kommt für alles andere ins Spiel: Monitoring, Komfortfunktionen, Automationen, Dashboard. Du kannst dir über die hass-evcc-card alle verfügbaren Entitäten anzeigen lassen und steuern, ohne dass sich EVCC und Home Assistant in die Quere kommen.
Was ist myTeslaMate und was kostet es?
myTeslaMate ist ein Online-Service, der drei Dinge macht. Er stellt deine Public Keys zur Verfügung, generiert die Tokens, die du für die Tesla-API brauchst, und liefert einen Proxy-Server, über den die Befehle dann tatsächlich an dein Auto weitergeleitet werden. Du schickst also den Befehl an myTeslaMate, der kümmert sich um die Authentifizierung und sendet ihn direkt ans Fahrzeug.
Der Service kostet Geld, aber wirklich nicht viel. Du kaufst Credits: 500 Credits sind ungefähr 1 €. Ein API-Command kostet einen Credit. In den letzten 30 Tagen habe ich 19 Commands verbraucht. Das rechne ich dir nicht mal aus, weil es unter jeder Erwähnung liegt. Wenn du das Auto hauptsächlich zum Laden und Auslesen nutzt, kommst du locker unter 1 € pro Monat.
Ich würde dir trotzdem empfehlen, ein tägliches Credit-Limit zu setzen. Ich habe das bei mir auf 100 gesetzt. Damit läuft dir nichts aus dem Ruder, falls irgendwas schiefgeht und plötzlich hundert Anfragen pro Sekunde gesendet werden.
Tesla Developer App anlegen
Für die Verbindung brauchst du eine eigene App im Tesla Developer Portal. Du legst dir dort eine neue Anwendung an, gibst einen Namen und eine Beschreibung ein und wählst als OAuth-Genehmigungstyp den ersten vorausgewählten Punkt.
Dann brauchst du Redirect-URLs. Die bekommst du direkt aus der myTeslaMate-App. Öffne dort den Bereich zur Token-Generierung, scrolle ein bisschen nach unten und du siehst alle URLs, die du brauchst: Allowed Origin URL, Allowed Redirect URLs und Return URLs. Die kopierst du Zeile für Zeile in das Tesla-Developer-Formular.
Wenn du möchtest, fügst du noch die Home Assistant URL als Redirect-URL hinzu, damit du die Tesla Fleet Integration später auch in Home Assistant nutzen kannst. Das ist optional, aber schadet nicht.
Im letzten Schritt wählst du die API-Berechtigungen aus. Fahrzeugbefehle senden, Fahrzeugdaten lesen, das Übliche. Wenn du nichts einschränken willst, setzt du überall den Haken. Danach auf Senden, fertig. Du hast jetzt eine eigene Tesla-App, die dir eine Client ID und ein Client Secret ausspuckt. Beide Werte brauchst du gleich.
Zu den Kosten noch kurz: Tesla stellt 10 € Guthaben pro Monat kostenlos zur Verfügung. Bei meiner normalen Nutzung mit Home Assistant und EVCC läuft das nie voll. Meine monatliche Rechnung steht seit Monaten auf 0 €. Trotzdem: auch hier ein Limit setzen, damit im Fehlerfall keine Überraschungen kommen.
Tokens generieren und EVCC einrichten
Jetzt geht es ans Terminal. In der myTeslaMate-App findest du unter dem Desktop-Reiter einen Befehl, je nach Betriebssystem unterschiedlich. Den kopierst du dir und führst ihn in deinem Terminal aus. Du wirst nach der Client ID und dem Client Secret gefragt, die du gerade aus dem Developer Portal hast. Eintippen, Enter, fertig.
Du bekommst dann eine URL angezeigt, die du im Browser aufrufen musst. Dort loggst du dich einmal mit deinem Tesla-Account ein und bestätigst die Verbindung. Danach purzeln zwei Dinge aus dem Terminal: ein Access Token und ein Refresh Token. Beide brauchst du für EVCC.
In EVCC gehst du dann in die Konfiguration, fügst ein neues Fahrzeug hinzu und wählst Tesla aus der Liste. Dort trägst du ein:
- Client ID aus dem Tesla Developer Portal
- Access Token aus dem Terminal
- Refresh Token aus dem Terminal
- Optional: Akkukapazität und Fahrgestellnummer
- Proxy Token aus der myTeslaMate-App (findest du direkt auf der Übersichtsseite)
Wenn du dann auf Prüfung drückst und alles grün wird, siehst du alle Details zu deinem Fahrzeug. Das war's mit EVCC. Dein Tesla ist jetzt drin.
Tesla Fleet Integration in Home Assistant (optional)
Wenn du den Tesla auch noch direkt als Gerät in Home Assistant einbinden willst, nicht nur über EVCC, dann brauchst du dafür Private Keys. Wie das Schritt für Schritt geht, ist in einem separaten Beitrag ausführlich erklärt, denn an diesem Prozess hat sich nichts geändert und es ergibt keinen Sinn, das hier nochmal komplett durchzukauen.
Ehrlich gesagt bekommst du die meisten Werte, die du brauchst, ohnehin schon über die ha-evcc Integration. Batteriestatus, Ladeleistung, Fahrzeugstatus. Die Fleet Integration ist also eher was für Leute, die wirklich alles aus dem Auto rausholen wollen.
Automationen die du direkt nutzen kannst
Mit dem Tesla in EVCC und Home Assistant hast du eine Menge Entitäten zur Verfügung. Hier sind drei Beispiele, die ich selbst nutze oder die sich aufdrängen.
Vorklima vor dem Wecker: 15 Minuten bevor der Wecker klingelt, startet die Klimaanlage. Die Automation prüft dabei, ob das Auto zu Hause ist und am Kabel hängt, sonst macht das natürlich keinen Sinn. Du kannst da auch noch die Außentemperatur als Bedingung einbauen, um zwischen Heizen und Kühlen zu unterscheiden.
1automation:
2 - alias: "Tesla Vorklima vor Wecker"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: input_datetime.wecker_zeit
6 condition:
7 - condition: state
8 entity_id: binary_sensor.tesla_plugged_in
9 state: "on"
10 - condition: state
11 entity_id: device_tracker.tesla
12 state: "home"
13 action:
14 - delay: "-00:15:00"
15 - service: climate.turn_on
16 target:
17 entity_id: climate.tesla_hvacWächter-Modus automatisch schalten: Je nachdem, wo du gerade bist, kannst du den Sentry Mode automatisch ein- oder ausschalten. Bist du zu Hause, aus. Bist du weg, an. Das spart Akku und du musst nie daran denken.
1automation:
2 - alias: "Tesla Sentry Mode bei Abwesenheit"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: person.daniel
6 to: "not_home"
7 action:
8 - service: switch.turn_on
9 target:
10 entity_id: switch.tesla_sentry_mode
11 - alias: "Tesla Sentry Mode zu Hause aus"
12 trigger:
13 - platform: state
14 entity_id: person.daniel
15 to: "home"
16 action:
17 - service: switch.turn_off
18 target:
19 entity_id: switch.tesla_sentry_modePushmitteilung wenn das Auto fertig geladen ist: Als Trigger verwende ich, dass die EVCC-Ladeleistung für 2 Minuten unter 50 Watt fällt. Dann ist das Auto voll und ich bekomme eine Benachrichtigung.
1automation:
2 - alias: "Tesla vollständig geladen"
3 trigger:
4 - platform: numeric_state
5 entity_id: sensor.evcc_loadpoint_charge_power
6 below: 50
7 for:
8 minutes: 2
9 action:
10 - service: notify.mobile_app_mein_telefon
11 data:
12 message: "Tesla ist vollständig geladen."
13 title: "Laden abgeschlossen"Dashboard zusammenbauen
Die hass-evcc-card übernimmt den größten Teil der Dashboard-Arbeit. Sie erkennt alle Ladepunkte und Fahrzeug-Entitäten automatisch, du musst keine Entity-IDs manuell eintippen. Ab Version 0.5.0 hat sie sogar einen visuellen Editor, du konfigurierst also alles direkt in der Lovelace-Oberfläche.
Zusätzlich gibt es eine Vehicle Status Card, über die du das Fahrzeug auch direkt steuern kannst: abschließen, aufschließen, Klimaanlage, was auch immer du brauchst. Diese Karte zieht sich die Entitäten ebenfalls direkt aus der EVCC-Integration, du musst also nichts doppelt einrichten.
Das ergibt zusammen ein Dashboard, das wirklich alle relevanten Infos an einem Ort zeigt: PV-Produktion, Ladeleistung, Fahrzeugstatus, Akkustand. Alles live, alles lokal.
Ich finde, diese Kombination aus EVCC, myTeslaMate und Home Assistant ist wahnsinnig praktisch und für den tatsächlichen Aufwand, den du reinsteckst, bekommst du richtig viel zurück. Die laufenden Kosten sind bei normaler Nutzung quasi nicht vorhanden. Und die Steuerungsmöglichkeiten, die du danach hast, sind komplett.
Nutzt du EVCC schon mit einem Tesla oder überlegst du noch? Schreib mir gerne unten in die Kommentare, was bei dir noch fehlt oder was du anders gelöst hast.
