In deinem Home Assistant stecken hunderte Stunden Arbeit. Jede Automation, jedes Dashboard, jede mühsam eingerichtete Integration. Und das alles liegt auf einer SD-Karte oder SSD, die irgendwann kaputtgeht. Nicht vielleicht, sondern irgendwann. Die einzige Frage ist, ob du dann ein Backup hast.
Im Video zeige ich meine komplette Backup-Strategie inklusive Wiederherstellung. Hier die Kurzfassung zum Nachlesen.
Was ein Backup enthält
Home Assistant bringt die Backup-Funktion von Haus aus mit, du findest sie unter Einstellungen → System → Backups. Ein vollständiges Backup sichert deine Konfiguration, alle Automationen, die Datenbank und installierte Add-ons. Daneben gibt es Teil-Backups, bei denen du einzelne Bestandteile auswählst.
Praktisch im Alltag: Vor Add-on-Updates kannst du automatisch ein Backup des jeweiligen Add-ons anlegen lassen. Geht das Update schief, bist du in Minuten zurück auf dem alten Stand. Diese Option allein hat mir schon mehrere Abende gerettet.
Die Strategie: automatisch und extern
Ein Backup, das du manuell anlegen musst, existiert in der Praxis nicht. Du vergisst es. Ich vergesse es. Jeder vergisst es. Deshalb gehört die Sicherung automatisiert:
1automation:
2 - alias: "Wöchentliches Backup"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "03:00:00"
6 condition:
7 - condition: time
8 weekday:
9 - sun
10 action:
11 - service: hassio.backup_full
12 data:
13 compressed: trueNachts um drei merkt niemand, dass das System kurz beschäftigt ist. Alternativ richtest du den Zeitplan direkt in den Backup-Einstellungen ein, ganz ohne YAML. Dort wählst du zwischen täglich, bestimmten Wochentagen oder einer benutzerdefinierten Uhrzeit. Es gibt sogar die Option "System-Optimum": Dann sucht sich Home Assistant selbst einen Moment, in dem es gerade wenig zu tun hat. Hilfreich auf schwacher Hardware, denn ein Backup kostet Rechenleistung. Wichtig ist nur, dass es ohne dein Zutun passiert.
Ich selbst bin inzwischen bei täglichen Backups um 3:45 Uhr mit sieben Tagen Aufbewahrung. So habe ich immer eine Woche Zeit, einen Fehler zu bemerken und auf einen älteren Stand zurückzugehen. Für den Einstieg reicht wöchentlich aber völlig.
Der zweite Teil der Strategie: Backups gehören raus aus dem Gerät. Eine Sicherung, die auf derselben SSD liegt wie das System, schützt dich bei einem Hardware-Defekt genau gar nicht. Dafür nutze ich das Add-on Home Assistant Google Drive Backup. Es lädt jede Sicherung automatisch in dein Google Drive, räumt alte Backups nach deinen Regeln auf und kann bei der Wiederherstellung direkt aus der Cloud ziehen.
Wie viele Backups, wie lange aufheben?
Meine Empfehlung als Startpunkt:
| Backup | Häufigkeit | Aufbewahrung |
|---|---|---|
| Vollbackup automatisch | Wöchentlich | 4 Stück lokal, 8 extern |
| Vor jedem größeren Update | Manuell | Bis das Update sich bewährt hat |
| Add-on-Backup vor Update | Automatisch | 1 bis 2 Versionen |
Mehr lokale Kopien bringen wenig und fressen Speicherplatz, vor allem wenn deine Datenbank groß ist. Falls die Backups verdächtig fett werden: Meist ist die Historie der Übeltäter. Ein kürzerer Aufbewahrungszeitraum für Sensordaten schrumpft die Sicherung deutlich.
Was ins Backup gehört
In den Backup-Einstellungen legst du fest, welche Daten gesichert werden. Das absolute Minimum sind die Home Assistant Einstellungen, ohne die lässt sich das System nicht wiederherstellen. Dazu kommen optional der Verlauf (also die Datenbank), der Medien-Ordner, der Share-Ordner und die installierten Add-ons.
Meine Empfehlung: alles anhaken. Wenn das System stirbt, will ich es komplett zurück, genau so, wie es lief. Home Assistant zeigt dir vor dem Speichern eine geschätzte Größe an, da siehst du direkt, was die einzelnen Bestandteile kosten. Wer Speicherplatz sparen muss, lässt zuerst den Verlauf weg. Die Sensorhistorie ist verschmerzbar, deine Automationen sind es nicht.
Wer YAML mag, kann sich für Spezialfälle auch ein Teil-Backup per Automation bauen, etwa eine schlanke Sicherung nur der Konfiguration:
1automation:
2 - alias: "Tägliches Konfig-Backup"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "03:45:00"
6 action:
7 - service: hassio.backup_partial
8 data:
9 name: "Konfiguration"
10 homeassistant: true
11 compressed: trueFür die meisten reicht aber der eingebaute Zeitplan mit Vollbackups. Die YAML-Variante lohnt sich vor allem, wenn du zusätzlich zur wöchentlichen Vollsicherung täglich die Konfiguration wegschreiben willst.
Verschlüsselung: gut überlegen
Home Assistant kann Backups verschlüsseln. Klingt vernünftig, hat aber einen Haken: Ohne den Notfallschlüssel, den du beim Aktivieren herunterladen kannst, kommst du an die Daten nie wieder ran. Nicht "schwer ran", sondern gar nicht.
Deshalb triff eine bewusste Entscheidung. Entweder du verschlüsselst und legst den Schlüssel an einen Ort, den du in fünf Jahren noch findest, ausgedruckt im Ordner zum Beispiel. Oder du lässt die Verschlüsselung weg, wenn auf den Speicherort sowieso kein Dritter Zugriff hat. Ich habe sie bei mir deaktiviert, weil ich meine Backups jederzeit entpacken und reinschauen können will.
Wiederherstellen: der Teil, den alle vergessen
Ein Backup ist nur so gut wie seine Wiederherstellung. Und die testest du am besten, bevor du sie brauchst.
Der Ablauf ist unspektakulär: Frisches Home Assistant auf neuer Hardware oder neuem Datenträger installieren, beim Onboarding „Aus Backup wiederherstellen" wählen, Datei hochladen, warten. Danach ist alles wieder da, inklusive Add-ons und Einstellungen. Das funktioniert auch beim Hardware-Wechsel, etwa vom Home Assistant Green auf den Yellow. Wie die frische Installation läuft, habe ich in einem eigenen Guide beschrieben. Im Video gehe ich den kompletten Restore-Vorgang einmal durch, damit du ihn gesehen hast, bevor es ernst wird.
Du musst übrigens nicht immer alles zurückspielen. Beim Wiederherstellen wählst du aus, welche Bestandteile du brauchst. Versehentlich den Medien-Ordner leergeräumt? Dann stellst du nur den wieder her und lässt den Rest des Systems unangetastet. Und falls das jüngste Backup selbst schon den Fehler enthält, nimmst du einfach ein älteres und tastest dich ran.
Was dabei schiefgehen kann und wie du es löst, sammle ich im Guide zu Backup und Restore. Und falls das System nach der Wiederherstellung zickt, hilft der Troubleshooting-Guide weiter.
Noch ein Tipp zum Schluss: Lade dir einmal im Monat ein Backup zusätzlich auf deinen Rechner. Drei Speicherorte klingen paranoid, bis zum ersten Mal zwei gleichzeitig ausfallen.
Häufige Fragen
Was kostet eine gute Backup-Lösung für Home Assistant?
Im Zweifel nichts. Die Backup-Funktion ist eingebaut, das Google-Drive-Add-on ist kostenlos und die 15 GB des kostenlosen Google-Kontos reichen für viele Setups. Alternativ gibt es das Cloud-Backup über Home Assistant Cloud für ein paar Euro im Monat, womit du nebenbei die Entwickler unterstützt. Auch NAS, Dropbox oder eine externe Festplatte funktionieren als Ziel.
Wie groß wird ein Home Assistant Backup?
Das hängt fast komplett an deiner Datenbank. Ein frisches System sichert wenige hundert Megabyte, bei mir sind es mit Verlauf und Add-ons gut ein Gigabyte. Wird die Sicherung deutlich größer, lohnt ein Blick auf den Aufbewahrungszeitraum der Sensordaten, denn der ist fast immer der Treiber.
Reicht das Backup auf der SD-Karte oder SSD des Systems?
Nein, und das ist der wichtigste Punkt des ganzen Themas. Stirbt der Datenträger, sind System und Sicherung gleichzeitig weg. Ein Backup zählt erst, wenn es auf einem anderen Speichermedium liegt, egal ob Cloud, NAS oder externe Platte.
Kann ich ein Backup auf neuer Hardware einspielen?
Ja, genau dafür ist es da. Beim Onboarding einer frischen Installation wählst du „Aus Backup wiederherstellen" und bekommst dein komplettes System zurück, inklusive Automationen, Dashboards und Add-ons. Der Wechsel auf einen anderen Rechner oder ein anderes Home-Assistant-Gerät läuft genauso.
