Kaffeemaschine reinigen, Salz in die Spülmaschine, Luftfilter wechseln: Solche Aufgaben schiebt man gerne vor sich her, bis man sie vergisst. Im Video baue ich mir deshalb ein Erinnerungssystem in Home Assistant, das mich jeden Tag aufs Neue nervt, bis ich die Aufgabe wirklich erledigt habe. Abgehakt wird mit dem Smartphone am NFC-Tag.
Die Idee: Zähler statt Zettel
Auf meinem Wartungs-Dashboard steht für jede Routine, wie viele Tage seit der letzten Erledigung vergangen sind. Kaffeemaschine reinigen, Rasenkanten schneiden, Spülmaschinensalz nachfüllen, den Wassertank vom Staubsaugerroboter leeren, den Wasserfilter im Technikraum spülen. Und ganz wichtig: Fahrrad bewegen.
Überschreitet ein Zähler seinen Grenzwert, schickt Home Assistant jeden Tag eine Benachrichtigung aufs Handy. Nicht einmal, sondern so lange, bis ich den Zähler zurücksetze. Das klingt nervig und genau das ist der Punkt. Klassische Erinnerungen wischt man weg, diese hier kommt wieder. Erledigen musst du die Aufgabe natürlich trotzdem selbst, aber du weißt, was ich meine.
Gerade für seltene Aufgaben wie den Wasserfilter oder den Luftfilter lohnt sich das System. Die würde ich ohne Erinnerung garantiert vergessen.
Die Basis: zwei Helfer pro Aufgabe
Technisch steckt hinter jeder Aufgabe ein Paar aus zwei Helfern. Ein input_datetime speichert, wann du die Aufgabe zuletzt erledigt hast. Ein counter zählt die Tage seitdem. Bei mir liegt das in YAML-Dateien im packages-Verzeichnis, einer input_datetime.yaml und einer counter.yaml:
1input_datetime:
2 spuelmaschinensalz_nachgefuellt_am:
3 name: "Spülmaschinensalz nachgefüllt am"
4 has_date: true
5 has_time: true
6
7counter:
8 tage_seit_spuelmaschinensalz:
9 name: "Tage seit Spülmaschinensalz nachgefüllt"
10 initial: 0
11 step: 1Der Wert bei initial bestimmt, wohin der Zähler beim Zurücksetzen springt. Mit step legst du die Schrittweite fest, wobei alles außer 1 hier wenig Sinn hat. Wer keine YAML-Dateien anfassen will, legt dieselben Helfer auch über die Oberfläche an. Die Grundlagen dazu stehen im Guide zur YAML-Konfiguration.
Zwei Automationen: hochzählen und erinnern
Die erste Automation läuft jeden Morgen um 5 Uhr und erhöht alle Zähler um eins. Mehr macht sie nicht. Die zweite prüft um 10 Uhr, ob ein Zähler über seinem Grenzwert liegt, und schickt dann die Benachrichtigung:
1automation:
2 - alias: "Wartungszähler erhöhen"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "05:00:00"
6 action:
7 - service: counter.increment
8 target:
9 entity_id:
10 - counter.tage_seit_spuelmaschinensalz
11 - counter.tage_seit_kaffeemaschine_gereinigt
12 - alias: "Wartungserinnerungen senden"
13 trigger:
14 - platform: time
15 at: "10:00:00"
16 condition:
17 - condition: state
18 entity_id: input_boolean.urlaub
19 state: "off"
20 action:
21 - if:
22 - condition: numeric_state
23 entity_id: counter.tage_seit_kaffeemaschine_gereinigt
24 above: 20
25 then:
26 - service: notify.mobile_app_iphone
27 data:
28 title: "Wartung fällig"
29 message: "Zeit, die Kaffeemaschine zu reinigen."Zwei Details aus der Praxis: Der input_boolean.urlaub ist ein simpler Schalter-Helfer. Steht er auf an, bleiben die Erinnerungen stumm, im Urlaub will ich nichts von Spülmaschinensalz wissen. Und die Grenzwerte sind Erfahrungswerte. Fahrrad nach 6 Tagen, Kaffeemaschine nach 20: Ich habe da erstmal geschätzt und justiere nach, wenn sich zeigt, dass es nicht passt.
Abhaken per NFC-Tag
Jetzt der angenehme Teil. Zum Zurücksetzen klebt neben jedem Gerät ein NFC-Tag, ich habe mir dafür eine 50er-Packung Sticker bestellt. Salz nachgefüllt, Smartphone an den Tag im Schrank gehalten, und der Zähler springt von 19 auf 0. Im Video siehst du das live.
Im Video läuft das noch über Webhooks: Die Reset-Automation bekommt pro Aufgabe einen Webhook-Auslöser mit eigener ID, und die Webhook-URL schreibe ich mit einer NFC-App auf den Tag. Falls du diesen Weg gehst, drei Hinweise. Lass in den Webhook-Einstellungen nur GET zu, mehr braucht der Aufruf nicht. Überleg dir, ob der Webhook von außerhalb deines Netzwerks erreichbar sein muss. Und halte die Webhook-ID geheim, denn jeder, der sie kennt, kann die Automation auslösen.
Der Webhook-Weg hat einen echten Vorteil: Die URL funktioniert mit jedem Smartphone, auch ohne Home Assistant App. Wenn dir im Urlaub jemand den Rasenmäher sauber macht, kann er trotzdem abhaken. Eine Woche nach diesem Video bin ich trotzdem auf die eingebaute Tag-Funktion umgestiegen, die ohne geheime URLs auskommt. Wie das geht, steht im Beitrag zu NFC-Tags in Home Assistant. Die fertigen YAML-Vorlagen zum Anpassen findest du im Snippet zu NFC-Routinen.
Häufige Fragen
Warum Zähler und nicht einfach eine To-do-Liste?
Eine To-do-Liste sagt dir nicht, wie überfällig eine Aufgabe ist. Der Zähler schon: 25 Tage seit der letzten Reinigung sind eine andere Ansage als 21. Dazu kommen die wiederholten Benachrichtigungen, die erst aufhören, wenn du wirklich abgehakt hast. Genau dieser sanfte Druck fehlt klassischen Listen.
Wie verhindere ich Erinnerungen im Urlaub?
Mit einem Schalter-Helfer als Bedingung in der Benachrichtigungs-Automation. Steht input_boolean.urlaub auf an, wird die Automation um 10 Uhr zwar ausgelöst, bricht aber an der Bedingung ab. Die Zähler laufen weiter, nach dem Urlaub siehst du also trotzdem, was fällig ist.
Geht das auch ohne NFC-Tags?
Ja. Du kannst die Zähler über einen Button im Dashboard zurücksetzen, die Webhook-URL als Lesezeichen speichern oder QR-Codes ausdrucken und scannen. Die Tags sind nur der bequemste Weg, weil sie direkt am Gerät kleben und das Abhaken keine zwei Sekunden dauert.
Auf welchen Wert wird der Zähler zurückgesetzt?
Auf den Wert, der in der counter.yaml bei initial steht. Bei mir ist das 0, du kannst aber auch bei 1 starten. Die Aktion dafür heißt counter.reset, sie kommt in den Aktionsteil deiner Reset-Automation.
