92,9 Prozent belegt: So sah der Speicher meiner Home Assistant Instanz aus, als das Core-Update plötzlich nicht mehr durchlief. Kleinere Updates gingen noch, das große nicht mehr, dafür fehlte schlicht der Platz. Im Video räume ich live auf und komme ohne neue Hardware wieder in den grünen Bereich. Hier die Schritte zum Nachmachen.
Erst prüfen: Wie voll ist es wirklich?
Den aktuellen Stand findest du unter Einstellungen, System, Speicher. Dort siehst du, wie viel von deinem Speicherplatz belegt ist. Läuft der voll, zeigt sich das an zwei typischen Symptomen: Updates schlagen fehl, weil sie zum Installieren freien Platz brauchen. Und Backups werden stillschweigend nicht mehr erstellt, was deutlich gefährlicher ist.
Genau das war bei mir passiert. Mein letztes Backup war zwei Wochen alt, ohne dass ich es gemerkt hatte. Wäre mir das System in der Zeit abgeraucht, hätte ich einen veralteten Stand zurückbekommen. Behalte den Speicher also im Auge, bevor er zum Problem wird.
Der größte Hebel: alte Backups löschen
Unter Einstellungen, System, Backups wartete bei mir eine Überraschung: 104 Backups, das älteste neun Monate alt. Diesen Stand werde ich garantiert nie wieder einspielen. Ich habe alles bis auf die letzten drei Wochen und ein vollständiges Backup markiert und über "Ausgewählte Backups löschen" entfernt. Ergebnis: von 92,9 auf 76 Prozent, mit ein paar Klicks.
Warum stapeln sich die Backups überhaupt? Bei mir hätte das Google Drive Backup Add-on eigentlich nur vier lokale Backups behalten sollen, hat die Einstellung aber nicht mehr angewendet. Schau also auch in die Konfiguration deines Backup-Add-ons, wie viele lokale Kopien es aufbewahrt.
Lösch aber nur beherzt, wenn deine Backups zusätzlich extern liegen, etwa in Google Drive. Dann sind die lokalen Kopien Duplikate und du kannst sie gefahrlos ausdünnen. Wie du externe Backups einrichtest, zeige ich im Video zur Backup-Sicherung, die Grundlagen stehen im Guide zu Backup und Restore.
Ungenutzte Add-ons deinstallieren
Nächster Halt: Einstellungen, Add-ons. Bei mir liefen noch Grafana und InfluxDB, Überbleibsel eines Projekts, bei dem ich Fitness-Daten vom iPhone visualisieren wollte. Hat nie richtig funktioniert, die Add-ons liefen trotzdem weiter.
Beim Ausmisten gilt: erst stoppen, dann deinstallieren. Grafana ließ sich brav entfernen, InfluxDB hat sich gewehrt, solange noch eine Verbindung aktiv war. Kleine Warnung aus dieser Erfahrung: Manche Add-ons hängen voneinander ab, da braucht es etwas Geduld oder die richtige Reihenfolge.
Der Speichergewinn war bei mir überschaubar, ein paar Prozentpunkte. Trotzdem lohnt der Blick, denn jedes laufende Add-on kostet nebenbei auch Arbeitsspeicher und Rechenleistung. Ein Blick in die HACS-Erweiterungen schadet ebenfalls nicht, bei mir war dort allerdings alles in Benutzung.
Die Datenbank: prüfen, bevor du löschst
Die Recorder-Datenbank gilt als üblicher Verdächtiger, weil Home Assistant laufend Sensordaten und Zustände aufzeichnet. Ob sie bei dir wirklich das Problem ist, prüfst du unter Einstellungen, System, Reparaturen: oben auf die drei Punkte, dann Systeminformationen, dann runterscrollen zum Recorder. Dort steht die geschätzte Datenbankgröße. Bei mir waren es 391 MB, also harmlos und definitiv nicht der Grund für meinen vollen Speicher.
Ist deine Datenbank dagegen mehrere Gigabyte groß, kannst du den Recorder zähmen. Mit purge_keep_days legst du fest, wie lange Daten aufbewahrt werden, und über exclude nimmst du geschwätzige Entitäten ganz aus der Aufzeichnung:
recorder:
purge_keep_days: 7
exclude:
entity_globs:
- sensor.*_signal_strengthEine Bitte dazu: Alle Arbeiten an der Datenbank erst nach einem vollständigen Backup. Hier reichen kleine Fehler, um die Aufzeichnung komplett zu zerlegen. Mit Backup im Rücken darfst du dagegen ruhig experimentieren.
Speicher erweitern? SD-Karte lieber nicht
Wenn das Aufräumen nicht reicht, bleibt die Hardware. Beim Home Assistant Green kannst du eine microSD-Karte als zusätzlichen Speicher einstecken. Lass es. Die Karten sind für das permanente Schreiben und Lesen nicht gebaut, mir ist genau so eine Karte abgeraucht, und die Daten waren weg. Gerettet hat mich nur das Backup.
Besser geeignet sind M.2-SSDs, die sind für Dauerbetrieb ausgelegt. Ich bin damals auf ein Home Assistant Yellow mit 500 GB SSD umgestiegen, seitdem ist Speicherplatz kein Thema mehr. Eine Alternative ist ein Netzwerkspeicher wie ein NAS, auf den du Backups und Medien auslagerst. Externe USB-Festplatten würde ich für den Dauerbetrieb dagegen ähnlich kritisch sehen wie SD-Karten.
Häufige Fragen
Warum schlägt das Core-Update bei vollem Speicher fehl?
Das Update muss erst heruntergeladen und entpackt werden, und dafür braucht es freien Platz über die eigentliche Größe hinaus. Kleinere Updates rutschen oft noch durch, das Core-Update mit seinen mehreren hundert Megabyte nicht mehr. Nach dem Aufräumen läuft es in der Regel sofort wieder.
Warum erstellt Home Assistant keine Backups mehr?
Sehr wahrscheinlich aus demselben Grund: kein Platz. Ein Backup wird immer erst lokal zusammengebaut, auch wenn es danach zu Google Drive oder auf ein NAS wandert. Ist der Speicher voll, scheitert schon dieser Schritt. Prüf nach jeder Aufräumaktion, ob wieder frische Backups ankommen.
Reicht es, einfach die Datenbank zu löschen?
Erst messen, dann handeln. Unter Reparaturen, Systeminformationen siehst du die geschätzte Datenbankgröße. Liegt sie wie bei mir unter einem halben Gigabyte, bringt das Löschen fast nichts, dann sind eher alte Backups der Übeltäter. Und falls du doch an die Datenbank gehst: vorher ein vollständiges Backup.
Wie viel freier Speicher sollte es mindestens sein?
Eine offizielle Grenze gibt es nicht, aber als Faustregel: genug Luft für ein Core-Update plus ein Backup, also ein paar Gigabyte. Sobald die Speicheranzeige Richtung 90 Prozent wandert, fangen die stillen Ausfälle an. Bei mir war der ausgefallene Backup-Job das erste Warnsignal.
