Zwei Wochen Urlaub, und das Haus steht jeden Abend dunkel und still da. Genau daran erkennen Einbrecher leere Häuser. Mit der Custom Integration Presence Simulation spielt Home Assistant deine letzten Tage einfach nach: Jalousien fahren morgens hoch, Lichter gehen abends an, als wäre jemand zuhause. Im Video richte ich die Simulation komplett ein, hier findest du alle Schritte zum Nachlesen.
Wie die Simulation funktioniert
Home Assistant zeichnet von Haus aus den Verlauf deiner Entitäten auf, standardmäßig etwa die letzten zehn Tage. Jeder Schaltvorgang landet dort: Licht an, Jalousie runter, Lampe gedimmt. Presence Simulation greift auf genau diese Daten zu und wiederholt sie. Die Integration spielt also deinen echten Tagesablauf der vergangenen Tage noch einmal ab.
Das ist der große Unterschied zur klassischen Zeitschaltuhr. Du musst keine Schaltzeiten festlegen und dir keine Zufallsmuster ausdenken. Deine Gewohnheiten schreiben das Drehbuch, jeden Tag neu. Einmal eingerichtet, schaltest du die Simulation vor dem Urlaub ein und danach wieder aus. Mehr Pflege braucht sie nicht.
Installation über HACS
Presence Simulation ist eine Custom Integration, du holst sie dir über HACS. Dort suchst du nach "Presence", klickst auf den Eintrag Presence Simulation und drückst auf Herunterladen. Danach startest du Home Assistant einmal neu, sonst taucht die Integration nicht auf.
Nach dem Neustart gehst du auf Einstellungen, dann Geräte & Dienste, und fügst die Integration Presence Simulation hinzu. Ab hier läuft alles über einen Dialog, YAML brauchst du nicht anzufassen.
Die Einstellungen im Detail
Im Konfigurationsdialog warten ein paar Felder auf dich:
Name: Klingt banal, aber nimm einen eindeutigen. Ich habe meine im Video erst "Abwesenheitssimulation" genannt und bin prompt selbst durcheinandergekommen. Es ist eine Anwesenheitssimulation. Für Abwesenheit müsstest du nur alle Lichter ausmachen.
Entitäten: Hier wählst du aus, was die Simulation steuern darf. Bei mir sind das die Jalousie in der Küche, die Stehlampe und das Licht im Flur. Lampen und Rollläden sind ideal. Die Kaffeemaschine würde ich rauslassen, die heizt sonst jeden Morgen ins Leere. Tipp: Leg dir vorher eine Gruppe mit allen Simulations-Entitäten an, dann wählst du hier nur noch die Gruppe aus.
Zeitraum: Das Feld heißt in der deutschen Oberfläche etwas unglücklich "Unterschied in Tagen". Gemeint ist, wie weit die Simulation zurückblicken darf, möglich sind 1 bis 10 Tage. Mehr geht nicht, weil Home Assistant den Verlauf standardmäßig nur so lange aufhebt.
Aktualisierungsintervall: Bestimmt, wie oft die Integration prüft, ob ein Schaltvorgang ansteht. 30 Sekunden sind ein guter Wert. Je kleiner das Intervall, desto mehr Rechenarbeit für dein System.
Zustand wiederherstellen: Diesen Haken setze ich immer. Ohne ihn bleiben die Lichter nach dem Ende der Simulation so stehen, wie sie gerade waren. Mit Haken bringt Home Assistant alles zurück in den Zustand von vor dem Start.
Zufallszeit: Verschiebt jeden Schaltvorgang um bis zu der eingestellten Sekundenzahl nach vorne oder hinten. Das Licht geht dann nicht exakt um 17:30 Uhr an wie vor einer Woche, sondern mal um 17:29, mal um 17:31. Wirkt echter, ist aber kein Muss.
Einschalten, aufs Dashboard legen, automatisieren
Nach dem Speichern bekommst du eine neue Switch-Entität. Schalter an, Simulation läuft. Schalter aus, alles stoppt. Den Schalter legst du dir am besten als Karte aufs Dashboard, im Video nutze ich dafür eine Mushroom Entity Card.
Funktioniert das wirklich? Ich habe die Simulation zweimal laufen lassen und danach die Nachbarn gefragt. Ihr Eindruck: Da war jemand.
Noch bequemer wird es mit einer Automation, die die Simulation von selbst startet, sobald länger niemand zuhause ist:
1automation:
2 - alias: "Anwesenheitssimulation automatisch starten"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: zone.home
6 to: "0"
7 for: "03:00:00"
8 action:
9 - service: switch.turn_on
10 target:
11 entity_id: switch.anwesenheitssimulation
12 - alias: "Anwesenheitssimulation stoppen"
13 trigger:
14 - platform: numeric_state
15 entity_id: zone.home
16 above: 0
17 action:
18 - service: switch.turn_off
19 target:
20 entity_id: switch.anwesenheitssimulationzone.home zählt, wie viele Personen gerade zuhause sind. Steht der Wert drei Stunden lang auf 0, startet die Simulation. Kommt jemand heim, stoppt sie. Wie Personen und Zonen in Home Assistant funktionieren, zeige ich in der ABC-Folge zu Anwesenheit und Zonen.
Die Integration bringt auch eigene Aktionen mit: presence_simulation.start, stop und toggle findest du in den Entwicklerwerkzeugen. Beim Start kannst du dort gezielt Entitäten übergeben. So lassen sich je nach Anlass unterschiedliche Simulationen definieren, etwa eine kleine fürs Wochenende und eine größere für den Jahresurlaub.
Häufige Fragen
Funktioniert die Anwesenheitssimulation auch ohne HACS?
Nein. Presence Simulation ist eine Custom Integration und nicht Teil von Home Assistant selbst. Du brauchst HACS, um sie zu installieren. Die Einrichtung danach läuft aber komplett über die normale Oberfläche, wie bei jeder offiziellen Integration auch.
Welche Geräte sollte die Simulation steuern?
Lampen und Rollläden oder Jalousien sind die beste Wahl, die sieht man von außen. Geräte mit hohem Stromverbrauch wie Kaffeemaschine oder Heizung lässt du besser raus. Sie kosten nur Energie und tragen von der Straße aus nichts zur Täuschung bei.
Was passiert mit den Lichtern, wenn die Simulation endet?
Das hängt von der Option "Zustand wiederherstellen" ab. Mit gesetztem Haken stellt Home Assistant alle Entitäten so wieder her, wie sie vor dem Start standen. Ohne Haken bleibt alles so, wie die Simulation es zuletzt geschaltet hat, im Zweifel also mit brennendem Licht.
Belastet die Simulation mein System?
Kaum. Die Integration prüft nur im eingestellten Intervall, ob ein Schaltvorgang ansteht. Mit 30 Sekunden Intervall merkst du davon nichts. Erst bei sehr kleinen Werten steigt die Last, und nötig sind die selten.
