Licht ist bei den meisten der Einstieg ins Smart Home, bei mir war es genauso. Und es ist der Bereich, in dem schlechte Struktur am schnellsten weh tut. Wer jede Lampe einzeln in jede Automation schreibt, baut sich ein Kartenhaus: Eine neue Stehlampe im Wohnzimmer, und plötzlich musst du fünf Automationen anfassen. Mit Gruppen und Szenen passiert dir das nicht.
Im Video aus der ABC-Reihe baue ich die komplette Kette auf: Gruppe anlegen, Szene speichern, Automation verknüpfen. Hier die Konzepte zum Nachlesen.
Drei Werkzeuge, drei Aufgaben
Gruppen, Szenen und Automationen werden gern verwechselt, dabei haben sie klar getrennte Rollen:
| Werkzeug | Beantwortet | Beispiel |
|---|---|---|
| Gruppe | Welche Lampen gehören zusammen? | light.wohnzimmer = Decke + Stehlampe + Regal |
| Szene | Wie sollen sie aussehen? | "Filmabend": gedimmt, warmweiß |
| Automation | Wann passiert es? | Bei Bewegung, bei Sonnenuntergang |
Die Reihenfolge ist auch die richtige Baureihenfolge. Erst gruppieren, dann Stimmungen definieren, zuletzt automatisieren.
Gruppen: Lampen bündeln
Eine Lichtgruppe fasst mehrere Lampen zu einer neuen Entität zusammen. Du legst sie unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer als Typ "Gruppe" an, Untertyp Licht. Ab dann steuerst du light.wohnzimmer wie eine einzelne Lampe: ein Schalter im Dashboard, ein Ziel in Automationen, ein gemeinsamer Dimmer.
Beim Anlegen begegnen dir zwei Optionen, die kurz Erklärung verdienen. "Mitglieder verstecken" blendet die einzelnen Lampen in Übersichten aus. Ich habe das ehrlich gesagt noch nie gebraucht, warum sollte ich die verstecken? Wichtiger ist der Schalter "Alle Entitäten": Er bestimmt, wann die Gruppe als "an" gilt. Aktiviert heißt: erst wenn alle Mitglieder leuchten. Deaktiviert heißt: sobald irgendeine Lampe an ist. Für die meisten Fälle willst du die zweite Variante, denn dann zeigt dir die Dashboard-Karte schon bei einer einzelnen vergessenen Lampe, dass im Raum noch Licht brennt.
Der eigentliche Gewinn zeigt sich später. Kommt eine Lampe dazu, ergänzt du sie einmal in der Gruppe, und jede Szene, jede Automation und jede Dashboard-Karte kennt sie sofort. Falls dir der Unterschied zwischen Gruppe, Bereich und Entität noch unklar ist, hilft ein Blick ins Glossar.
Aus meinem Büro: vom Klick-Marathon zur Gruppe
Ein Geständnis aus dem Video: Meine Szene "Bürobeleuchtung einschalten" war eine meiner allerersten in Home Assistant, und sie listete jedes Leuchtmittel einzeln auf. Vitrinenbeleuchtung, Lego-Vitrine, Plattenspieler-Leuchte, Highboard, alles von Hand zusammengeklickt. Die Ausschalt-Szene genauso. Funktioniert, klar. Aber jede Änderung hieß: zwei Szenen anfassen.
Die Automation dahinter ist eigentlich schön gebaut: Ein Anwesenheitssensor in der Ecke erkennt, ob ich im Büro bin. Zwei Auslöser mit Trigger-IDs, einer für "besetzt", einer für "nicht besetzt", und je nachdem wird ein- oder ausgeschaltet. Nur die Aktion dahinter war eben unnötig kompliziert.
Mit einer Lichtgruppe "Bürobeleuchtung" schrumpft das Ganze auf zwei Aktionen: light.turn_on und light.turn_off auf die Gruppe. Die Szenen konnte ich komplett löschen. Und das ist die Faustregel, die ich daraus mitgenommen habe: Wenn eine Szene nur noch "mach alles in diesem Raum an" bedeutet, brauchst du keine Szene. Dann reicht die Gruppe. Szenen lohnen sich erst, wenn unterschiedliche Lampen unterschiedliche Zustände bekommen sollen.
Szenen: Stimmungen speichern
Eine Szene ist ein Schnappschuss. Sie speichert für ausgewählte Lampen Zustand, Helligkeit und Farbe, und stellt all das auf einen Schlag wieder her. "Filmabend", "Kochen", "Alles aus": typische Kandidaten.
Das Schöne am Szenen-Editor: Du kannst die aktuellen Zustände direkt übernehmen. Licht so einstellen, wie es dir gefällt, Szene anlegen, Lampen auswählen, speichern. Kein Hantieren mit Helligkeitswerten in Prozent. Kleiner Hinweis dazu: Der Editor schaltet die Lampen beim Bearbeiten live, damit du siehst, was du tust. Wundere dich also nicht, wenn beim Anlegen einer Szene kurz das Licht im Raum umspringt.
Aktiviert wird eine Szene per Klick im Dashboard oder als Aktion in einer Automation. Genau da schließt sich der Kreis.
Automationen: Licht zur richtigen Zeit
Jetzt kommt Bewegung rein. Der Klassiker ist das Flurlicht per Bewegungsmelder, hier mit zwei Details, die den Unterschied machen: Das Licht geht nur an, wenn es dunkel genug ist, und nach ein paar Minuten ohne Bewegung wieder aus.
1automation:
2 - alias: "Flurlicht bei Bewegung"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: binary_sensor.flur_bewegung
6 to: "on"
7 condition:
8 - condition: numeric_state
9 entity_id: sensor.flur_helligkeit
10 below: 20
11 action:
12 - service: light.turn_on
13 target:
14 entity_id: light.flur
15 data:
16 brightness_pct: 60
17 - wait_for_trigger:
18 - platform: state
19 entity_id: binary_sensor.flur_bewegung
20 to: "off"
21 for: "00:03:00"
22 - service: light.turn_off
23 target:
24 entity_id: light.flurBeachte: Als Ziel steht die Gruppe light.flur, nicht drei einzelne Lampen. Statt fester Helligkeit könntest du auch eine Szene aktivieren, dann steckt die Lichtstimmung an einem zentralen Ort. Wie Trigger, Bedingungen und Aktionen im Detail zusammenspielen, erkläre ich im Guide zu Automationen, und welcher Auslöser wann der richtige ist, im Video zu Triggern und Timing.
Ein zweites Muster aus meinem Setup: Bei Sonnenuntergang aktiviert eine Automation die Szene "Abend" im Wohnzimmer. Kein Sensor nötig, der Sonnenstand ist als Trigger eingebaut.
Eine Gruppe, drei Stimmungen: Farbtemperatur nutzen
Wenn deine Lampen die Farbtemperatur beherrschen, holt die Gruppe noch mehr raus. Du schaltest dann nämlich dieselbe Gruppe zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich ein: morgens warmes Licht zum Wachwerden, tagsüber kühles Arbeitslicht zum Lesen am Schreibtisch, abends wieder warm und gedimmt zum Zocken oder Entspannen. Kaltes Licht morgens um sieben ist einfach nicht schön.
So sieht das als Automation fürs Arbeitslicht aus:
1automation:
2 - alias: "Arbeitslicht am Vormittag"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "09:00:00"
6 condition:
7 - condition: state
8 entity_id: binary_sensor.buero_anwesenheit
9 state: "on"
10 action:
11 - service: light.turn_on
12 target:
13 entity_id: light.buero
14 data:
15 color_temp_kelvin: 4500
16 brightness_pct: 100Für morgens und abends kopierst du die Automation und drehst die Kelvin-Zahl runter, Richtung 2700 wird es gemütlich warm. Drei Automationen, eine Gruppe, null Szenen. Genau diese Flexibilität ist für mich der größte Vorteil der Lichtgruppen.
Tipps aus der Praxis
Bau dir Gruppen pro Raum, auch wenn dort nur zwei Lampen hängen. Der Aufwand ist minimal und du dankst es dir bei jeder Erweiterung. Das funktioniert übrigens am besten, wenn deine Lampen sauber Räumen und Bereichen zugeordnet sind, dann findest du sie beim Anlegen der Gruppe über die Suche sofort.
Plane Handbedienung mit ein. Eine Automation, die das Licht gnadenlos ausschaltet, während du auf der Couch liest, nervt. Ein Helfer als Override-Schalter oder eine großzügigere Abschaltzeit löst das. Und leg dir die wichtigsten Szenen als Karten ins Dashboard, wie das geht, steht im Guide zur Dashboard-Oberfläche. Die beste Lichtsteuerung ist die, die auch der Besuch ohne Erklärung bedienen kann.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Lichtgruppe und einer Szene?
Die Gruppe beantwortet "welche Lampen gehören zusammen", die Szene "wie sollen sie aussehen". Eine Gruppe ist eine dauerhafte Entität, die du wie eine einzelne Lampe schaltest und dimmst. Eine Szene ist ein gespeicherter Schnappschuss aus Helligkeit und Farbe, der beim Aktivieren wiederhergestellt wird.
Brauchen alle Lampen einer Gruppe denselben Hersteller?
Nein. Home Assistant gruppiert auf Entitäten-Ebene, die Herkunft ist egal. Hue, IKEA und eine Zigbee-Lampe vom Drittanbieter funktionieren in einer Gruppe zusammen. Nur die Fähigkeiten unterscheiden sich: Eine Lampe ohne Farbtemperatur ignoriert den Kelvin-Wert einfach.
Warum zeigt meine Lichtgruppe "an", obwohl nur eine Lampe leuchtet?
Das steuert die Option "Alle Entitäten" in den Gruppeneinstellungen. Standardmäßig gilt die Gruppe als an, sobald ein beliebiges Mitglied an ist. Aktivierst du die Option, meldet die Gruppe erst "an", wenn wirklich alle Lampen leuchten. Beides hat seinen Einsatzzweck, du kannst es jederzeit umstellen.
Kann ich eine Szene nachträglich ändern?
Ja, jederzeit über den Szenen-Editor unter Einstellungen → Automationen & Szenen → Szenen. Du kannst Lampen hinzufügen, entfernen oder neue Zustände speichern. Denk nur daran, dass der Editor die Lampen beim Bearbeiten live schaltet, am besten änderst du Szenen also nicht gerade dann, wenn jemand im Raum schläft.
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