Home Assistant läuft bei dir zuhause, lokal und ohne Cloud-Zwang. Das ist eine seiner größten Stärken. Aber es hat einen Haken: Sobald du das Haus verlässt, kommst du erstmal nicht mehr an dein Dashboard. Kein Blick auf die Kameras, keine Heizung aus der Ferne, keine Standortmeldung von der App.
Dafür gibt es die Home Assistant Cloud von Nabu Casa. Im Video zeige ich, wie schnell die Einrichtung geht. Hier die Einordnung zum Nachlesen.
Was die Cloud macht
Die Home Assistant Cloud baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen deiner Instanz und den Nabu-Casa-Servern auf. Deine Daten bleiben zuhause, nur die Verbindung läuft über den Dienst. Das Ergebnis: Du erreichst dein Home Assistant von überall, über App oder Browser, ohne eine einzige Portfreigabe.
In der Oberfläche findest du das Ganze direkt unter Einstellungen, gleich als ersten Menüpunkt: Home Assistant Cloud. Darunter steht schon, worum es geht: Steuerung deines Zuhauses von unterwegs und Integration mit Alexa und Google Assistant.
Der zweite große Baustein ist die Sprachsteuerung. Alexa und Google Assistant brauchen normalerweise eine öffentlich erreichbare Instanz mit Zertifikat und einiges an Konfiguration. Mit der Cloud aktivierst du beide Anbindungen per Schalter in den Einstellungen, wählst aus, welche Entitäten freigegeben werden, fertig.
Spannend finde ich auch den dritten Weg: Home Assistant entwickelt einen eigenen Sprachassistenten, mit klarem Fokus auf Privatsphäre. Deine Sprachbefehle laufen dann nicht über die Server von Google oder Amazon, sondern werden auf deiner eigenen Hardware verarbeitet. Wenn dich das Thema reizt, schau in den Guide zu Sprachassistenten und Benachrichtigungen.
Ich selbst arbeite übrigens kaum mit Sprachbefehlen. Das passt einfach nicht in meinen Alltag. Aber das ist von Person zu Person komplett unterschiedlich, und wenn bei dir sowieso überall Alexa steht, ist die einfache Anbindung vielleicht das stärkste Argument für das Abo.
Was das Abo kostet
In Europa kostet die Home Assistant Cloud 7,50 Euro im Monat oder 75 Euro im Jahr, was rechnerisch zwei Gratis-Monaten entspricht. Vorab gibt es eine 31-tägige Testphase, komplett kostenlos. Du gibst E-Mail-Adresse und Passwort ein, bestätigst deinen Account per Mail, und schon bist du drin. Nach den 31 Tagen entscheidest du, ob du dabei bleibst.
Ist das viel Geld? Ich finde nicht. Home Assistant selbst ist komplett kostenfrei, mit all seinen Integrationen und allem drumherum. Mit dem Abo finanzierst du die Entwicklung, denn Nabu Casa beschäftigt die Kernentwickler. Das Abo ist also auch ein Förderbeitrag für das Projekt, das du täglich nutzt.
Backups in der Cloud
Ein Feature, das gerne übersehen wird: Das Abo enthält Speicherplatz für deine Backups. Home Assistant lädt deine Sicherungen dann zusätzlich auf die Server von Nabu Casa hoch. Geht dein System zuhause kaputt, etwa weil die SD-Karte stirbt, holst du dir das Backup mit wenigen Klicks zurück.
Klar, dafür gibt es auch andere Lösungen, vom NAS bis zum USB-Stick. Der Vorteil hier: Alles ist auf Home Assistant abgestimmt und die Wiederherstellung läuft ohne Umwege. Wie Backups grundsätzlich funktionieren und warum du sie unbedingt brauchst, erkläre ich im Guide zu Backup und Restore.
Cloud oder Eigenbau?
Du kannst den Fernzugriff auch selbst bauen. Die Frage ist, ob du willst.
| Home Assistant Cloud | Eigene Lösung (VPN, Cloudflare Tunnel) | |
|---|---|---|
| Einrichtung | Wenige Minuten, ohne Vorwissen | Eigene Domain, Konfiguration, Einarbeitung |
| Kosten | Monatliches Abo | Meist kostenlos, kostet dafür Zeit |
| Wartung | Keine | Updates und Zertifikate im Blick behalten |
| Alexa / Google | Per Schalter aktivierbar | Manuelle Einrichtung, deutlich aufwendiger |
| Unterstützt das Projekt | Ja | Nein |
Meine ehrliche Einschätzung: Wenn dir Begriffe wie Reverse Proxy und DNS nichts sagen, nimm die Cloud. Die Zeit, die du beim Eigenbau in Einrichtung und Pflege steckst, ist das Abo schnell wert. Und ein falsch konfigurierter Fernzugriff ist ein echtes Sicherheitsrisiko, da gibt es keine zweite Chance.
Bei mir läuft der Fernzugriff über einen Cloudflare Tunnel, eingerichtet als Add-on. Das funktioniert prima, aber ich sage ehrlich dazu: Du brauchst dafür eine eigene Domain und ein bisschen Setup-Gefrickel. Für mich war das der beste Weg, weil ich die Infrastruktur sowieso schon hatte. Einen Zwang zur Cloud gibt es also nicht, es gibt andere Wege.
Wenn du es selbst machen willst, völlig legitim. Die Varianten mit VPN und Tunnel-Diensten gehe ich im Guide zu Fernzugriff und Sicherheit durch, inklusive der Stolperfallen.
Einrichtung in der Praxis
Die Aktivierung findest du unter Einstellungen → Home Assistant Cloud. Konto anlegen, anmelden, Fernzugriff einschalten. Das war es tatsächlich schon. Kein YAML, keine Router-Konfiguration.
Für die Sprachassistenten gehst du danach die Entitätenliste durch. Mein Tipp: Nicht alles freigeben. Alexa braucht deine Lichter und vielleicht die Heizung, aber nicht jeden Sensor im Haus. Weniger freigegebene Entitäten heißt schnellere Synchronisation und weniger Verwirrung bei Sprachbefehlen.
Ein Punkt noch zur Abgrenzung: Die Cloud macht aus Home Assistant kein Cloud-System. Deine Automationen laufen weiter lokal, auch wenn das Internet ausfällt. Nur der Zugriff von außen und die Sprachassistenten hängen an der Verbindung. Falls dir der Unterschied zwischen lokal und Cloud noch unklar ist: Der Überblick Was ist Home Assistant? erklärt das Grundprinzip.
Sobald der Fernzugriff steht, wird übrigens auch die Companion App auf dem Handy deutlich nützlicher. Standortmeldungen funktionieren dann zuverlässig von unterwegs, und du kannst darauf Automationen aufbauen. Ein Klassiker: eine Erinnerung aufs Handy, wenn du das Haus verlässt und noch ein Fenster offen steht.
1automation:
2 - alias: "Fenster-Warnung beim Verlassen"
3 trigger:
4 - platform: zone
5 entity_id: person.daniel
6 zone: zone.home
7 event: leave
8 condition:
9 - condition: state
10 entity_id: binary_sensor.fenster_wohnzimmer
11 state: "on"
12 action:
13 - service: notify.mobile_app_daniels_handy
14 data:
15 title: "Fenster offen"
16 message: "Du hast das Haus verlassen, im Wohnzimmer ist noch ein Fenster offen."Die Automation selbst läuft lokal. Aber die Standortmeldung deines Handys und die Push-Nachricht erreichen dich nur, wenn dein Home Assistant von außen erreichbar ist. Genau dafür ist der Fernzugriff da.
Für wen lohnt sich das Abo?
Kurz gesagt: für die meisten. Einsteiger sparen sich ein Thema, das viel Frust erzeugen kann. Fortgeschrittene zahlen für Bequemlichkeit und unterstützen das Projekt. Nur wer Spaß an Netzwerktechnik hat und die Kontrolle über jeden Baustein will, fährt mit der Eigenlösung besser.
Für die meisten dürfte der Zugriff von überall das wichtigste Argument sein. Wer keine Lust hat, sich mit Tunneln und Domains zu beschäftigen, bekommt hier dasselbe Ergebnis mit ein paar Klicks. Diese Bequemlichkeit ist vielen die 7,50 Euro alleine schon wert. Für andere sind eher die Sprachassistenten der Punkt, weil zuhause sowieso schon Alexa läuft.
Häufige Fragen
Was kostet die Home Assistant Cloud?
In Europa kostet das Abo 7,50 Euro pro Monat oder 75 Euro im Jahr. Die Jahreszahlung spart dir rechnerisch zwei Monate. Vor der ersten Zahlung kannst du den Dienst 31 Tage kostenlos testen, ohne dass automatisch ein Abo startet.
Brauche ich die Cloud, um Home Assistant zu nutzen?
Nein. Home Assistant läuft komplett ohne Abo, lokal und kostenfrei. Die Cloud brauchst du nur, wenn du von unterwegs zugreifen willst, ohne selbst einen Fernzugriff per VPN oder Tunnel aufzubauen, oder wenn du Alexa und Google Assistant ohne Bastelei anbinden möchtest.
Funktioniert mein Smart Home auch ohne Internetverbindung?
Ja, das ist der große Vorteil von Home Assistant. Deine Automationen, Dashboards und lokal angebundenen Geräte laufen auch bei Internetausfall weiter. Nur der Zugriff von außen, die Sprachassistenten von Amazon und Google und Cloud-Integrationen einzelner Hersteller brauchen die Verbindung.
Ist die Home Assistant Cloud sicher?
Die Verbindung läuft über einen verschlüsselten Tunnel, deine Daten bleiben auf deinem System zuhause. Nabu Casa leitet nur die Verbindung durch. Damit sparst du dir Portfreigaben am Router, die bei falscher Konfiguration ein echtes Sicherheitsrisiko wären.
