Am Anfang ist alles übersichtlich. Drei Lampen, ein Bewegungsmelder, fertig. Aber Smart Homes wachsen, und irgendwann scrollst du durch eine Liste mit 80 Entitäten und suchst die eine Steckdose im Flur. Spätestens dann brauchst du Struktur. In Home Assistant heißt sie: Etagen und Bereiche.
Im Video zeige ich, wie ich mein eigenes Setup organisiert habe. Hier das Konzept zum Nachlesen.
Die Hierarchie verstehen
Home Assistant gliedert dein Zuhause in drei Ebenen:
| Ebene | Entspricht | Beispiel |
|---|---|---|
| Etage | Stockwerk | Erdgeschoss, Obergeschoss |
| Bereich | Raum oder Funktionszone | Wohnzimmer, Küche, Garten |
| Gerät / Entität | Einzelne Komponente | Deckenlampe, Fenstersensor |
Jedes Gerät gehört in einen Bereich, jeder Bereich auf eine Etage. Klingt banal, hat aber Folgen: Home Assistant weiß dadurch jederzeit, wo ein Gerät steht. Dashboards, Sprachassistenten und Automationen nutzen diese Information.
Auch in einer Wohnung mit einer Ebene lohnt sich eine Etage. Du legst sie einmal an und die Struktur bleibt konsistent, falls du später umziehst oder den Keller dazunimmst. Bei mir sind übrigens auch "Draußen" eine eigene Etage, neben Erdgeschoss und Obergeschoss. Die Logik muss nur für dich passen.
Etagen und Bereiche anlegen
Beides findest du unter Einstellungen → Bereiche & Zonen. Bei der Etage vergibst du einen Namen, eine Ebene als Zahl (0 für Erdgeschoss, 1 fürs Obergeschoss, minus 1 für den Keller) und optional ein Symbol. Beim Bereich kommen Name, Symbol und die Zuordnung zur Etage dazu, außerdem zwei Felder, die gern übersehen werden: Bild und Alias.
Das Bild lege ich dir ans Herz. Fotografiere einfach jeden Raum einmal und hänge das Foto an den Bereich. Die Bereichsübersicht wird damit von einer Textliste zu etwas, das du auf einen Blick erfasst, weil du ja weißt, wie dein Wohnzimmer aussieht. Bei mir ergibt das ein schön einheitliches Bild, und es kostet zehn Minuten.
Der Alias ist für die Sprachsteuerung da. Wenn dein Bereich intern "Erdgeschoss" heißt, ihr zu Hause aber alle "unten" sagt, hinterlegst du das als Alias. Dann versteht dich der Sprachassistent auch so. Geräten und Bereichen kannst du außerdem Labels geben, mit denen du später in Tabellen und Ansichten filterst. Das brauchst du am Anfang nicht, aber gut zu wissen, dass es existiert.
Geräte zuordnen: einmal Fleißarbeit
Danach kommt die eigentliche Arbeit. Bei jedem Gerät findest du unter Einstellungen → Geräte & Dienste über das Stiftsymbol das Feld "Bereich". Einmal durchgehen, alles einsortieren. Bei 50 Geräten dauert das einen Abend, lohnt sich aber jeden Tag danach. Die Etage musst du dabei nicht extra setzen, die ergibt sich automatisch aus dem Bereich.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Auch einzelne Entitäten lassen sich einem anderen Bereich zuordnen als ihr Gerät. Praktisch bei Multi-Kanal-Aktoren, die zwei Räume gleichzeitig schalten.
Und noch ein Tipp aus meinem Setup: Ordne auch deine Automationen den Bereichen zu, in denen sie wirken. Raumübergreifende Automationen sammle ich unter einem eigenen Namen, bei mir heißt das schlicht "virtueller Kram". Warum sich das lohnt, siehst du gleich.
Die Bereichsseite: mehr als eine Geräteliste
Klickst du in der Übersicht auf einen Bereich, bekommst du alles auf einer Seite: die Geräte und Entitäten des Raums, die zugeordneten Automationen, Szenen und Skripte, und ein Aktivitätsprotokoll. Dort steht, was zuletzt in diesem Raum passiert ist, und genau das macht die Seite zur Fehlersuche-Zentrale. Schaltet sich nachts im Wohnzimmer etwas von allein, schaust du auf die Bereichsseite und siehst, welche Automation es war.
Besonders nützlich: Die Seite zeigt nicht nur Automationen, die dem Bereich zugeordnet sind, sondern auch solche, die sich auf ihn auswirken. Deine globale "Alles aus beim Schlafengehen"-Automation taucht also im Wohnzimmer auf, obwohl sie woanders einsortiert ist. So behältst du den Überblick, welche Regeln in einem Raum mitspielen.
Bereiche in Automationen nutzen
Hier zahlt sich die Struktur richtig aus. Statt fünf Lampen einzeln aufzulisten, sprichst du den ganzen Raum an:
1automation:
2 - alias: "Erdgeschoss aus beim Schlafengehen"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "23:30:00"
6 action:
7 - service: light.turn_off
8 target:
9 area_id:
10 - wohnzimmer
11 - kueche
12 - flurDer schöne Nebeneffekt: Kaufst du eine neue Lampe fürs Wohnzimmer und ordnest sie dem Bereich zu, ist sie automatisch Teil dieser Automation. Kein Anpassen nötig. Und tauschst du ein Gerät aus, fliegt das alte mit der Zuordnung raus, statt als Leiche in 17 Automationen weiterzuleben. Genau so sollten Automationen gebaut sein: einmal schreiben, nie wieder anfassen.
Das funktioniert nicht nur mit Licht. Dasselbe Muster schließt abends alle Rollläden im Erdgeschoss:
1automation:
2 - alias: "Rollläden Erdgeschoss bei Sonnenuntergang"
3 trigger:
4 - platform: sun
5 event: sunset
6 offset: "00:30:00"
7 action:
8 - service: cover.close_cover
9 target:
10 area_id:
11 - wohnzimmer
12 - kuecheSprachassistenten profitieren genauso. "Mach das Licht im Wohnzimmer aus" funktioniert nur sauber, wenn die Zuordnung stimmt. Sonst geht im Zweifel die falsche Lampe aus. Auch in Szenen und Skripten kannst du Bereiche als Ziel wählen, das Prinzip ist überall dasselbe.
Das automatische Bereiche-Dashboard
Früher habe ich mir Raum-Übersichten von Hand gebaut: eine Karte pro Raum, verlinkt auf eine Detailansicht. Das kann Home Assistant inzwischen selbst. Unter den Dashboard-Einstellungen legst du ein neues Dashboard vom Typ "Bereiche" an, zum Zeitpunkt des Videos noch als experimentell markiert, und bekommst automatisch eine Ansicht mit allen Etagen und Räumen. Ein Klick auf einen Raum zeigt dessen Beleuchtung, Abdeckungen, Mediaplayer und mehr, sauber gruppiert.
Der Haken, falls man das so nennen will: Das funktioniert nur so gut wie deine Zuordnung. Wer Etagen und Bereiche sauber gepflegt hat, bekommt mit wenigen Klicks ein brauchbares Dashboard geschenkt. Wer nicht, sieht eine Rubrik "Sonstiges" voller herrenloser Geräte. Wie du auf der generierten Ansicht aufbaust, zeigt der Guide zum Dashboard.
Tipps aus der Praxis
- Kurze, eindeutige Namen: "Wohnzimmer" statt "Wohnzimmer EG groß". Du sprichst diese Namen später mit Alexa oder Assist aus
- Funktionszonen sind erlaubt: Ein Bereich muss kein Raum sein. "Garten" oder "Einfahrt" funktionieren genauso
- Erst Struktur, dann Dashboard: Die automatisch generierte Bereichsansicht ist erstaunlich brauchbar, wenn die Zuordnung stimmt
Falls du noch ganz am Anfang stehst und dir das Konzept hinter Entitäten und Geräten unklar ist: Der Überblick Was ist Home Assistant? sortiert die Begriffe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bereich und Zone?
Ein Bereich ist ein Ort innerhalb deines Zuhauses, etwa die Küche. Eine Zone ist ein geografischer Ort auf der Landkarte, etwa "Zuhause", "Arbeit" oder "Schule", und wird für die Anwesenheitserkennung per GPS genutzt. Die beiden haben technisch nichts miteinander zu tun, auch wenn sie im Menü nebeneinander stehen.
Muss ich jedem Gerät einen Bereich zuweisen?
Nein, Home Assistant funktioniert auch ohne. Aber jedes Gerät ohne Bereich fehlt in Raum-Automationen, in der Sprachsteuerung und im automatischen Bereiche-Dashboard. Meine Empfehlung: Nimm dir einmal einen Abend und sortiere alles ein, danach pflegst du nur noch Neuzugänge.
Kann ein Gerät zu zwei Bereichen gehören?
Ein Gerät kann immer nur in einem Bereich liegen. Bei Geräten mit mehreren Kanälen, etwa einem Doppel-Relais, das Flur und Küche schaltet, gibt es aber einen Ausweg: Du ordnest die einzelnen Entitäten des Geräts unterschiedlichen Bereichen zu. Die Entität zählt dann für Automationen und Sprachbefehle zum jeweils eigenen Raum.
Brauche ich Etagen, wenn ich in einer Wohnung wohne?
Zwingend nicht, aber ich rate trotzdem dazu. Eine einzelne Etage anzulegen kostet eine Minute, und deine Struktur bleibt vollständig. Ziehst du später um oder kommt ein Hobbykeller dazu, musst du nichts umbauen. Und das Bereiche-Dashboard sortiert ohnehin nach Etagen.
