Jedes Dashboard in Home Assistant besteht aus Karten, im Englischen Cards. Eine Karte zeigt einen Sensorwert, schaltet eine Lampe oder zeichnet einen Verlauf. Wer die wichtigsten Kartentypen kennt, baut sich in Minuten eine brauchbare Übersicht. Wer sie nicht kennt, klickt sich durch eine Liste mit Dutzenden Optionen und nimmt am Ende irgendwas.
Im Video aus der ABC-Reihe gehe ich die wichtigsten Karten live durch, inklusive typischer Konfigurationsfehler. Hier die Zusammenfassung zum Nachschlagen.
Karten hinzufügen
Der Weg ist immer gleich: Dashboard öffnen, oben rechts auf den Stift, dann Karte hinzufügen. Home Assistant schlägt dir passende Karten vor, sobald du eine Entität auswählst. Fast alle Karten haben einen visuellen Editor, du musst also kein YAML schreiben. Wie der Bearbeitungsmodus insgesamt funktioniert, zeige ich im Guide zur Dashboard-Oberfläche.
Die Kartentypen, die du wirklich brauchst
Die Auswahl wirkt am Anfang erschlagend. In der Praxis deckst du mit einer Handvoll Typen fast alles ab:
| Karte | Zeigt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Entität (Tile) | Eine Entität mit Schnellzugriff | Lampe, Steckdose, Thermostat |
| Entitäten | Liste mehrerer Entitäten | Alle Sensoren eines Raums |
| Verlaufsgrafik | Werte über die Zeit | Temperatur, Luftfeuchtigkeit |
| Anzeige (Gauge) | Einen Wert als Tacho | CPU-Last, Füllstand, Leistung |
| Bedienfeld (Media) | Mediaplayer-Steuerung | Sonos, Fernseher |
| Markdown | Freien Text | Notizen, Überschriften, Templates |
| Bereich | Alle Geräte eines Bereichs | Schnelle Raum-Übersicht |
Mein Rat für den Einstieg: Tile-Karten für alles Schaltbare, Entitäten-Karten für Sensorgruppen, eine Verlaufsgrafik für Werte, deren Entwicklung dich interessiert. Damit steht ein solides Dashboard. Wie du die Karten dann auf mehrere Dashboards und Ansichten verteilst, zeige ich im Video zur Dashboard-Übersicht.
Erwähnenswert ist noch die Bild-Elemente-Karte. Mit ihr legst du Buttons direkt auf einen Wohnungsgrundriss. Statt in einer Liste nach „Stehlampe Wohnzimmer" zu suchen, tippst du einfach auf die Lampe im Grundriss. Das ist etwas Bastelarbeit, sieht aber großartig aus und ist gerade für Wandtablets beliebt.
Die Tile-Karte im Detail
Die Tile-Karte (Kachel) ist die wichtigste Karte im Alltag, deshalb lohnt ein genauerer Blick. Vieles davon gilt genauso für andere Standardkarten.
Beim Namen kannst du dir die Anzeige zusammenklicken: Gerätename, Entitätsname, Bereich, in beliebiger Kombination. Das klingt nach Spielerei, löst aber ein echtes Problem. Wenn du fünf Entitäten hast, die alle „Stehlampe" heißen, macht „Stehlampe Wohnzimmer" und „Stehlampe Esszimmer" den Unterschied. Dazu wählst du Symbol und Zustandsfarbe, schaltest die Zustandsanzeige bei Bedarf ab und entscheidest zwischen horizontalem und vertikalem Layout.
Richtig spannend wird der Bereich Interaktionen. Du legst getrennt fest, was beim Antippen der Karte passiert und was beim Antippen des Symbols. Standard beim Symbol ist Umschalten, die Lampe geht also an oder aus. Beim Antippen der Karte kannst du stattdessen navigieren lassen, etwa zur Detailansicht des Raums. So baust du dir Shortcuts quer durch dein Dashboard.
Unter Funktionen ergänzt du der Kachel noch Bedienelemente, zum Beispiel Knöpfe unterhalb oder seitlich der Karte. Zu viele davon werden schnell unübersichtlich, ein bis zwei pro Kachel reichen meistens.
Sichtbarkeit und Layout: die unterschätzten Reiter
Im Karten-Editor gibt es neben der Konfiguration noch zwei weitere Reiter, die viele übersehen.
Der Layout-Reiter steuert die Größe. Du ziehst die Karte breiter oder höher, lässt sie die volle verfügbare Breite einnehmen oder aktivierst den präzisen Modus, der das Raster verfeinert und Halbschritte erlaubt. Damit bekommst du auch krumme Layouts sauber hin.
Der Sichtbarkeits-Reiter blendet Karten abhängig von Bedingungen ein und aus. Mein Lieblingsbeispiel: Der Geschirrspüler zeigt einen Countdown bis zum Programmende, aber nur, wenn er gerade läuft. Steht die Maschine still, gibt es nichts anzuzeigen, also verschwindet die Karte. Als YAML sieht so eine Bedingung so aus:
1type: tile
2entity: sensor.geschirrspueler_restzeit
3name: Geschirrspüler fertig in
4visibility:
5 - condition: state
6 entity: binary_sensor.geschirrspueler_laeuft
7 state: "on"Das Prinzip funktioniert mit jeder Karte und jeder Entität. Dashboards, die nur zeigen, was gerade relevant ist, fühlen sich sofort aufgeräumter an.
Die manuelle Karte: YAML direkt eingeben
Ganz unten in der Kartenauswahl versteckt sich die manuelle Karte. Sie hat keinen visuellen Editor, stattdessen tippst oder kopierst du YAML direkt hinein. Klingt nach Mehrarbeit, ist aber dein Tor zu allem, was die Standard-Editoren nicht abdecken.
So sieht zum Beispiel eine Entitäten-Karte als YAML aus:
1type: entities
2title: Klima Schlafzimmer
3entities:
4 - entity: sensor.schlafzimmer_temperatur
5 name: Temperatur
6 - entity: sensor.schlafzimmer_luftfeuchtigkeit
7 name: Luftfeuchtigkeit
8 - entity: binary_sensor.schlafzimmer_fenster
9 name: Fenster
10state_color: trueDer Trick: Auch jede per Editor erstellte Karte hat einen YAML-Code dahinter. Über Code-Editor anzeigen wechselst du jederzeit zwischen beiden Welten. So lernst du nebenbei, wie die Konfiguration aufgebaut ist. Die Grundlagen dazu stehen im Guide YAML & Konfiguration.
Wichtig beim Kopieren fremder Snippets: Die Entitäts-IDs musst du immer an dein eigenes Setup anpassen. light.wohnzimmer aus einem Tutorial existiert bei dir wahrscheinlich nicht. Das ist der häufigste Fehler, den ich in Kommentaren sehe.
Wenn die Standardkarten nicht reichen
Die mitgelieferten Karten decken viel ab, aber nicht alles. Die Community hat hunderte eigene Karten entwickelt: Mushroom Cards für ein moderneres Design, die Mini Graph Card für kompakte Diagramme, Button Cards mit endlosen Gestaltungsoptionen.
Installiert werden solche Custom Cards über HACS, den Community Store. Nach der Installation tauchen sie ganz normal in der Kartenauswahl auf. Wie du HACS einrichtest und Erweiterungen verwaltest, erkläre ich im HACS-Guide.
Mein Tipp trotzdem: Lerne erst die Standardkarten kennen. Viele installieren am ersten Tag zehn Custom Cards und wundern sich später, warum nach einem Update das halbe Dashboard rote Fehlermeldungen zeigt. Die eingebauten Karten sind über die Jahre richtig gut geworden und laufen einfach.
Tipps aus der Praxis
Weniger Karten, mehr Wirkung. Eine Karte pro Information reicht. Wenn du eine Entität auf drei Karten gleichzeitig zeigst, fehlt dir später der Platz für Wichtigeres.
Und: Nutze die Vorschau. Jede Karte zeigt im Editor live, wie sie aussehen wird. Spiele mit den Optionen, bevor du speicherst. Kaputt machen kannst du dabei nichts, die Karte lässt sich jederzeit wieder löschen.
Überschriften-Karten helfen bei der Struktur. Ein Titel mit Icon über jeder Gerätegruppe, und das Dashboard liest sich gleich viel besser. Das kostet nichts und bringt mehr Übersicht als jede ausgefallene Custom Card.
Häufige Fragen
Wie ändere ich die Größe einer Karte in Home Assistant?
Öffne die Karte im Bearbeitungsmodus und wechsle in den Layout-Reiter. Dort ziehst du die Karte auf die gewünschte Breite und Höhe oder stellst sie auf volle Breite. Der präzise Modus erlaubt feinere Abstufungen, falls das Standardraster nicht passt.
Kann ich eine Karte nur unter bestimmten Bedingungen anzeigen?
Ja, über den Sichtbarkeits-Reiter im Karten-Editor. Dort legst du Bedingungen fest, etwa einen Entitätszustand. Die Karte erscheint dann nur, wenn die Bedingung erfüllt ist, zum Beispiel ein Countdown nur bei laufender Waschmaschine oder eine Warnung nur bei offenem Fenster.
Was ist der Unterschied zwischen Tile-Karte und Entitäten-Karte?
Die Tile-Karte zeigt eine einzelne Entität als kompakte Kachel mit Schnellzugriff, ideal für Lampen und Schalter. Die Entitäten-Karte listet mehrere Entitäten untereinander auf, gut für Sensorgruppen wie alle Klimawerte eines Raums. Für Schaltbares nimm Tiles, für Listen die Entitäten-Karte.
Warum zeigt meine kopierte Karte einen Fehler an?
Fast immer liegt es an den Entitäts-IDs. Ein Snippet aus einem Tutorial verweist auf Entitäten wie light.wohnzimmer, die es in deinem System nicht gibt. Ersetze jede ID durch eine aus deinem eigenen Setup, dann verschwindet die Fehlermeldung. Bei Custom Cards kann auch die fehlende Installation über HACS die Ursache sein.
