Das Dashboard ist das Erste, was du siehst, wenn du Home Assistant öffnest. Trotzdem läuft bei vielen jahrelang nur die automatisch generierte Übersicht, in der jedes Gerät, jeder Sensor und jeder Helfer kreuz und quer auftaucht. Geht besser. Mit eigenen Dashboards baust du dir genau die Ansichten, die du wirklich brauchst.
Im Video aus der ABC-Reihe zeige ich Schritt für Schritt, wie du Dashboards anlegst, sortierst und verwaltest. Hier die wichtigsten Punkte zum Nachlesen.
Die Standard-Übersicht und warum sie nicht reicht
Home Assistant erstellt beim ersten Start automatisch ein Dashboard mit allen Entitäten, gruppiert nach Bereichen. Für die ersten Tage ist das praktisch. Du musst nichts konfigurieren und siehst sofort alles.
Genau das wird aber zum Problem, sobald dein Setup wächst. Bei 50 Geräten mit jeweils mehreren Entitäten scrollst du dich tot. Wichtiges steht neben Unwichtigem, und die Reihenfolge bestimmt Home Assistant, nicht du. Spätestens dann lohnt sich ein eigenes Dashboard. Wie die Oberfläche grundsätzlich aufgebaut ist, erkläre ich ausführlich im Guide Dashboard verstehen.
Du kannst die automatische Übersicht auch behalten und trotzdem anpassen. Dafür gehst du in den Bearbeitungsmodus und übernimmst die Kontrolle über das Dashboard. Home Assistant warnt dich an der Stelle: Ab dann werden neue Geräte nicht mehr automatisch ergänzt und gelöschte nicht mehr entfernt. Das ist der Preis für die Freiheit. Dafür kannst du danach einzelne Karten rauswerfen, die dich nicht interessieren, und das Layout selbst bestimmen.
Eigene Dashboards anlegen
Der Weg führt über Einstellungen → Dashboards → Dashboard hinzufügen. Alternativ kommst du aus jedem Dashboard über das Stift-Symbol und das Drei-Punkte-Menü zu "Dashboards verwalten". Du vergibst einen Namen, wählst ein Icon für die Seitenleiste und entscheidest, ob das Dashboard nur für Admins sichtbar sein soll. Das war's schon.
Beim Anlegen fragt dich Home Assistant nach dem Typ. Da gibt es mehr als nur die leere Seite:
- Von Grund auf neu: Ein leeres Dashboard, du baust alles selbst. Mein Standardweg.
- Übersicht: Home Assistant füllt das Dashboard automatisch mit allen Entitäten, sortiert nach Bereichen. Wie die Standard-Übersicht, nur als zweites Exemplar zum Experimentieren.
- Bereiche und Zuhause-Ansicht: Automatisch generierte Ansichten pro Raum, teils mit smarten Zusammenfassungen und Szenen-Vorschlägen je nach Uhrzeit. Beides ist noch als experimentell markiert und läuft nicht immer hundertprozentig zuverlässig.
- Webseite: Zeigt eine beliebige Website vollflächig in Home Assistant an. Praktisch für eine Nachrichtenseite oder ein externes Tool, das du oft brauchst.
Gerade die automatisch generierten Varianten finde ich gut für den Einstieg. Wenn dich die vielen Möglichkeiten am Anfang überwältigen, siehst du dort, was Home Assistant aus deinen Geräten bauen kann, und holst dir Ideen für dein eigenes Layout. Ausprobieren kostet nichts, löschen geht jederzeit über dieselbe Verwaltungsseite.
Jedes Dashboard kann mehrere Ansichten (Views) enthalten, die als Tabs am oberen Rand erscheinen. Innerhalb einer Ansicht platzierst du dann Karten. Wie du die einzelnen Karten konfigurierst und gestaltest, behandle ich im Guide zur Dashboard-Oberfläche.
Bei der Struktur haben sich ein paar Muster bewährt:
| Dashboard | Inhalt | Für wen |
|---|---|---|
| Home | Das Wichtigste auf einen Blick: Lichter, Heizung, offene Fenster | Alle im Haushalt |
| Energie | Verbrauch, PV-Erzeugung, Kosten | Wer den Überblick will |
| Räume | Eine Ansicht pro Raum mit allen Geräten | Detailsteuerung |
| Admin | Batteriestände, Updates, Systemwerte | Nur du |
Du musst nicht alles davon bauen. Mein Tipp: Starte mit einem einzigen Dashboard für den Alltag und erweitere erst, wenn du etwas vermisst.
Die Sections-Ansicht: Karten flexibel anordnen
Wenn du innerhalb eines Dashboards eine neue Ansicht anlegst, fragt Home Assistant nach dem Ansichtstyp. Die Sections-Ansicht (auf Deutsch "Abschnitte") ist dabei der modernste und inzwischen der empfohlene Typ. Der große Vorteil gegenüber dem klassischen Raster: Du gruppierst deine Karten in Abschnitte, gibst jedem Abschnitt eine Überschrift und verschiebst alles per Drag-and-drop. Kein Rätselraten mehr, warum eine Karte in der falschen Spalte landet.
Die Abschnitte ordnen sich je nach Bildschirmbreite automatisch an. Auf dem Monitor liegen drei Spalten nebeneinander, auf dem Handy stapelt sich alles untereinander. Genau deshalb empfehle ich die Sections-Ansicht für jedes neue Dashboard. Als YAML sieht eine solche Ansicht so aus:
1views:
2 - title: Zuhause
3 path: zuhause
4 type: sections
5 max_columns: 3
6 sections:
7 - type: grid
8 cards:
9 - type: heading
10 heading: Wohnzimmer
11 - type: tile
12 entity: light.wohnzimmer_decke
13 - type: tile
14 entity: climate.wohnzimmer
15 - type: grid
16 cards:
17 - type: heading
18 heading: Schlafzimmer
19 - type: tile
20 entity: light.schlafzimmer_decke
21 - type: tile
22 entity: cover.schlafzimmerBestehende Ansichten im alten Raster-Layout musst du übrigens nicht zwingend umbauen. Aber für neue Ansichten gibt es aus meiner Sicht keinen Grund mehr, etwas anderes zu nehmen.
Verwaltung und Sichtbarkeit
Unter Einstellungen → Dashboards siehst du alle vorhandenen Dashboards in einer Liste. Dort legst du fest, welches Dashboard als Standard geladen wird, welche in der Seitenleiste auftauchen und ob ein Dashboard nur für Administratoren sichtbar ist.
Das ist praktischer als es klingt. Ein reduziertes Dashboard für die Familie, ein vollgepacktes für dich: Beide existieren parallel, und jeder sieht nur, was er braucht. Auf einem Wandtablet kannst du wiederum ein drittes Dashboard als Vollbild-Ansicht laufen lassen.
Das Standard-Dashboard kannst du sogar pro Benutzer und pro Gerät festlegen. Klick auf deinen Benutzernamen unten in der Seitenleiste, scroll etwas nach unten, dort findest du die Auswahl. So öffnet die App auf deinem Handy ein anderes Dashboard als der Browser am Rechner. Klingt nach Kleinkram, macht im Alltag aber einen echten Unterschied.
Seitenleiste aufräumen
Diese Funktion habe ich selbst lange nicht gekannt: Wenn du in der Seitenleiste lange auf die Überschrift klickst und dann loslässt, öffnet sich ein Bearbeitungsmodus für das Menü. Dort blendest du einzelne Einträge aus und ordnest die restlichen per Drag-and-drop neu.
Das täglich genutzte Dashboard nach oben, das Energie-Dashboard darunter, selten gebrauchte Punkte ausblenden. Speichern, fertig. Gerade auf dem Handy, wo die Seitenleiste schnell voll wird, lohnt sich das Aufräumen.
Per UI oder per YAML?
Standardmäßig bearbeitest du Dashboards komplett über die Oberfläche: Stift-Symbol oben rechts, Karten hinzufügen, fertig. Für die meisten ist das der richtige Weg.
Wer mehr Kontrolle will, kann einzelne Dashboards in den YAML-Modus umstellen und die Konfiguration als Datei pflegen. Der Raw-Editor (über das Drei-Punkte-Menü im Bearbeitungsmodus) zeigt dir jederzeit, was hinter der Klick-Oberfläche steckt. So sieht eine simple Ansicht im Code aus:
1views:
2 - title: Wohnzimmer
3 path: wohnzimmer
4 icon: mdi:sofa
5 cards:
6 - type: entities
7 title: Licht & Klima
8 entities:
9 - light.wohnzimmer_decke
10 - light.wohnzimmer_stehlampe
11 - climate.wohnzimmer
12 - sensor.wohnzimmer_temperaturAuch wenn du im UI-Modus bleibst: Ein Blick in den Raw-Editor hilft beim Verständnis, und Snippets aus dem Netz kannst du dort direkt einfügen. Die Grundlagen dazu findest du im Guide YAML & Konfiguration.
Tipps aus der Praxis
Fang klein an. Ein Dashboard mit einer Handvoll Karten, die du täglich nutzt, schlägt jede überladene Ansicht. Ich habe meine Dashboards über die Jahre mehrfach umgebaut, und jedes Mal wurde es weniger statt mehr.
Denk außerdem ans Handy. Die meisten bedienen ihr Smart Home unterwegs oder vom Sofa, nicht am großen Monitor. Prüfe deine Ansichten also immer auch in der Companion App, bevor du sie für fertig erklärst. Welche Karten sich für welche Zwecke eignen, zeige ich im Video zu den wichtigsten Karten.
Häufige Fragen
Wie viele Dashboards kann ich in Home Assistant anlegen?
So viele du willst, eine technische Grenze gibt es praktisch nicht. Sinnvoll sind für die meisten Haushalte zwei bis vier: eines für den Alltag, eines für Energie, vielleicht ein Admin-Dashboard und eins fürs Wandtablet. Mehr erzeugt eher Pflegeaufwand als Nutzen.
Was ist der Unterschied zwischen Dashboard und Ansicht?
Ein Dashboard ist die ganze Seite mit eigenem Eintrag in der Seitenleiste. Eine Ansicht (View) ist ein Tab innerhalb eines Dashboards. Ein Dashboard kann also mehrere Ansichten enthalten, zum Beispiel einen Tab pro Etage. Die Karten liegen immer innerhalb einer Ansicht.
Warum sehe ich neue Geräte nicht auf meinem Dashboard?
Sobald du die Kontrolle über die automatische Übersicht übernommen hast, ergänzt Home Assistant neue Geräte nicht mehr von selbst. Du musst die passenden Karten dann manuell hinzufügen. Auf selbst erstellten Dashboards war das nie anders: Neue Entitäten tauchen dort erst auf, wenn du sie einbaust.
Kann ich ein Dashboard nur für bestimmte Personen sichtbar machen?
Teilweise. Du kannst ein Dashboard auf Administratoren beschränken, das stellst du unter Einstellungen → Dashboards ein. Eine Freigabe für einzelne Nicht-Admin-Benutzer gibt es so direkt nicht. In der Praxis reicht die Kombination aus Admin-Dashboards und einem unterschiedlichen Standard-Dashboard pro Benutzer aber meist aus.
