Komfort ist schön, aber Sicherheit ist der Bereich, in dem sich ein Smart Home wirklich beweisen muss. Ein Rauchmelder, der nur piept, hilft dir nicht, wenn du im Urlaub bist. Ein Rauchmelder in Home Assistant schickt dir eine Nachricht aufs Handy, schaltet alle Lichter ein und fährt die Rollläden hoch. Das ist der Unterschied.
Im Video zeige ich mein eigenes Sicherheits-Setup. Hier die Sensoren und Automationen zum Nachlesen.
Welche Sensoren sich lohnen
| Sensor | Meldet | Typische Reaktion |
|---|---|---|
| Rauchmelder | Rauch, teils auch Hitze | Lichter an, Rollläden hoch, Push-Nachricht |
| Tür-/Fenstersensor | Offen oder geschlossen | Alarm bei Abwesenheit, Heizung aus bei offenem Fenster |
| Bewegungsmelder | Bewegung im Raum | Alarm bei Abwesenheit, sonst Lichtsteuerung |
| Wassermelder | Feuchtigkeit am Boden | Push-Nachricht, Ventil schließen |
Die meisten dieser Sensoren gibt es als Zigbee-Variante: günstig, batteriebetrieben, ohne Cloud. Was du dafür an Hardware brauchst, steht im Guide zu Zigbee und Z-Wave.
Mein Rat für die Reihenfolge: Rauchmelder zuerst, dann Wassermelder unter Spüle und Waschmaschine. Beide kosten wenig und decken die Schäden ab, die wirklich teuer werden. Tür- und Fenstersensoren kommen danach, weil sie doppelt nützlich sind. Sie sichern nicht nur ab, sondern steuern nebenbei die Heizung.
Beim Wassermelder ist die Platzierung der halbe Erfolg. Die kleinen Dinger legst du einfach dorthin, wo Wasser zuerst ankommen würde: unten in den Schrank unter der Spüle, neben die Spülmaschine, unter die Waschmaschine. Erkennt der Sensor Feuchtigkeit, schickt dir Home Assistant eine Nachricht, und wenn das Gerät an einer smarten Steckdose hängt, schaltest du es in derselben Automation gleich ab. So bleibt aus dem Wasserschaden eine Pfütze.
Das Fluchtweg-Szenario
Die wichtigste Automation in meinem Setup: Wenn irgendein Rauchmelder auslöst, macht das Haus die Fluchtwege frei. Nachts im verrauchten Flur willst du nicht nach dem Lichtschalter tasten.
1automation:
2 - alias: "Rauchalarm: Fluchtwege freimachen"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id:
6 - binary_sensor.rauchmelder_flur
7 - binary_sensor.rauchmelder_schlafzimmer
8 - binary_sensor.rauchmelder_kueche
9 to: "on"
10 action:
11 - service: light.turn_on
12 target:
13 entity_id: all
14 - service: cover.open_cover
15 target:
16 entity_id: all
17 - service: notify.mobile_app_daniel
18 data:
19 title: "Rauchalarm!"
20 message: "{{ trigger.to_state.attributes.friendly_name }} hat ausgelöst."Alle Melder als Trigger in einer Automation, statt für jeden eine eigene. Bei mir hängen fünf Rauchmelder in dieser einen Automation. Die Nachricht verrät über das Template, welcher Melder angeschlagen hat. So weißt du auch unterwegs sofort, wo es brennt. Das Muster mit mehreren Auslösern in einer Automation erkläre ich ausführlich im Guide zu Automationen.
Statt entity_id: all kannst du als Ziel auch Bereiche oder ganze Etagen angeben, wenn du deine Geräte in Home Assistant sauber Räumen zugeordnet hast. Bei mir zielen die Aktionen auf Obergeschoss und Erdgeschoss. Das hat einen praktischen Vorteil: Kommt eine neue Lampe dazu, ist sie automatisch Teil der Automation, ohne dass du etwas anfassen musst.
Warum die Rollläden? Wenn es brennt und die Jalousien unten sind, kommst du im Zweifel nur noch durch die Wohnungstür raus. Mit offenen Abdeckungen hast du Fluchtwege über alle Türen und Fenster. Ich hoffe, dass dieser Fall nie eintritt, aber genau dafür baut man so eine Automation. Die Push-Nachricht schicke ich übrigens doppelt: an die Companion App und in meinen Telegram-Kanal. Bei Rauch darf eine Meldung ruhig zweimal ankommen.
Wichtig: Die Automation ersetzt keinen zertifizierten Rauchmelder. Die Geräte müssen auch ohne Home Assistant laut piepen. Das Smart Home ist die Ergänzung, nicht die Lebensversicherung.
Kameras: Bewegung erkannt, Foto aufs Handy
Wenn du Kameras im Einsatz hast, kannst du deren Erkennung als Sicherheitssensor nutzen. Meine Terrassenkamera meldet vier Ereignisse an Home Assistant: Mensch erkannt, Tier erkannt, Fahrzeug erkannt und allgemeine Bewegung im Freien. Jedes davon ist ein eigener Auslöser in meiner Automation "Gartenbewegung festgestellt".
Damit das Handy nicht den ganzen Tag vibriert, läuft die Automation nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr. Tagsüber bin ich es vermutlich selbst, der durchs Bild läuft. Die Aktion macht dann einen Schnappschuss von der Kamera und schickt ihn als Bild direkt in die Benachrichtigung:
1automation:
2 - alias: "Gartenbewegung: Schnappschuss senden"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: binary_sensor.kamera_terrasse_person
6 to: "on"
7 condition:
8 - condition: time
9 after: "22:00:00"
10 before: "06:00:00"
11 action:
12 - variables:
13 dateiname: "garten_{{ now().strftime('%Y%m%d_%H%M%S') }}.jpg"
14 - service: camera.snapshot
15 target:
16 entity_id: camera.terrasse
17 data:
18 filename: "/config/www/kamera/{{ dateiname }}"
19 - service: notify.mobile_app_daniel
20 data:
21 title: "Bewegung im Garten"
22 message: "Die Terrassenkamera hat etwas erkannt."
23 data:
24 image: "/local/kamera/{{ dateiname }}"Der Zeitstempel im Dateinamen ist kein Selbstzweck: Löst die Kamera dreimal kurz hintereinander aus, bekommst du drei separate Bilder statt eines überschriebenen. So siehst du auf einen Blick, ob da wirklich jemand ums Haus schleicht oder ob du nur ein neues lustiges Katzenfoto bekommen hast. Wer mag, schränkt die Automation noch über die Anwesenheitserkennung ein und bekommt die Meldungen nur, wenn niemand zu Hause ist.
Benachrichtigungen richtig dosieren
Der häufigste Fehler bei Sicherheitsautomationen: zu viele Nachrichten. Wenn dein Handy bei jeder geöffneten Tür vibriert, ignorierst du irgendwann auch die wichtige Meldung.
Meine Faustregel: Push-Nachrichten nur für Ereignisse, bei denen ich handeln muss. Rauch, Wasser, geöffnete Tür bei Abwesenheit. Alles andere landet höchstens im Logbuch. Die Abwesenheitsprüfung läuft dabei über die Anwesenheitserkennung, eine Bedingung in der Automation reicht.
Bei kritischen Meldungen lohnt sich die Option „kritische Benachrichtigung" der Companion App. Die kommt auch durch, wenn das Handy stumm ist. Mehr dazu im ABC-Video zu Benachrichtigungen.
Sensoren doppelt nutzen: Alarmanlage bei Abwesenheit
Das Schöne an Sicherheitsautomationen: Du brauchst oft gar keine neue Hardware. Die Bewegungsmelder, die tagsüber dein Licht schalten, werden bei Abwesenheit zur Alarmanlage. Eine Bedingung in der Automation prüft, ob jemand zu Hause ist. Wenn nicht und ein Melder registriert trotzdem Bewegung, stimmt etwas nicht, und du bekommst eine Nachricht. Ohne diese Bedingung würdest du dich übrigens permanent selbst alarmieren, frag nicht, woher ich das weiß.
Nach demselben Prinzip schalte ich Kameras automatisch: Verlasse ich das Haus, gehen sie an. Komme ich zurück, gehen sie aus. Das spart Diskussionen über Privatsphäre und macht die Kameras genau dann scharf, wenn sie gebraucht werden.
Auch die Tür- und Fenstersensoren haben eine zweite Karriere als Vergesslichkeits-Schutz. Du verlässt das Haus und eine Tür steht noch offen? Push-Nachricht. Der Gefrierschrank ist seit zehn Minuten offen? Push-Nachricht. Sogar der Herd lässt sich überwachen, wenn er smart angebunden ist. All das ist am Ende dieselbe Zutat: ein Sensor, eine Bedingung, eine Benachrichtigung.
Tipps aus der Praxis
- Batterien überwachen: Ein Sensor mit leerer Batterie meldet nichts. Eine Automation, die bei unter 20 Prozent warnt, gehört zur Grundausstattung
- Sensoren testen: Einmal im Quartal den Testknopf drücken und prüfen, ob die Automation durchläuft. Wenn etwas hakt, hilft der Troubleshooting-Guide
- Klein anfangen: Erst einen Rauchmelder einbinden und die Automation sauber bauen. Erweitern geht später schnell, weil du nur Trigger ergänzt
Häufige Fragen
Ersetzen smarte Rauchmelder normale Rauchmelder?
Nur, wenn sie selbst zertifiziert sind und auch ohne Funkverbindung laut piepen. Die Sirene im Gerät rettet Leben, die Push-Nachricht ist die Ergänzung für unterwegs. Kauf also keinen Sensor, der nur eine Meldung ans Smart Home schickt, sondern einen richtigen Rauchmelder mit Funkanbindung.
Was kosten Sicherheitssensoren für Home Assistant?
Weniger, als viele denken. Zigbee-Tür- und Fenstersensoren und Wassermelder bekommst du oft schon für zehn bis zwanzig Euro pro Stück, dazu kommt einmalig ein Zigbee-Stick, falls noch keiner vorhanden ist. Smarte Rauchmelder liegen etwas darüber. Verglichen mit einem einzigen Wasserschaden ist das ein Witz.
Funktionieren die Sensoren auch ohne Internet?
Ja, das ist einer der großen Vorteile von Zigbee und Z-Wave: Die Sensoren funken direkt an deinen Home-Assistant-Server, ganz ohne Cloud. Automationen wie das Fluchtweg-Szenario laufen also auch bei Internetausfall. Nur die Push-Nachricht aufs Handy braucht eine Verbindung nach draußen, wenn du unterwegs bist.
Warum kommt meine Benachrichtigung nicht auf dem Handy an?
Prüfe zuerst, ob die Companion App eingerichtet ist und der notify-Dienst stimmt, den testest du in den Entwicklerwerkzeugen unter Aktionen. Häufige Ursachen sind auch Energiesparmodus auf dem Handy oder ein stummgeschaltetes Gerät. Für Rauch und Wasser nutze die kritischen Benachrichtigungen, die kommen auch im Nicht-stören-Modus durch.
