Szenen und Automationen werden in Home Assistant gerne verwechselt. Kein Wunder, der Editor sieht auf den ersten Blick fast gleich aus: Geräte hinzufügen, Entitäten hinzufügen, Bereich zuordnen. Dabei machen die beiden komplett unterschiedliche Dinge. Im Video aus der ABC-Reihe baue ich eine Szene live zusammen und zeige dir zwei Szenen aus meinem Alltag. Hier die wichtigsten Punkte zum Nachlesen.
Warum F wie Flows und Szenen?
Kurze Erklärung vorweg, weil der Titel sonst verwirrt: Flows gibt es als Begriff in Home Assistant eigentlich gar nicht. Ich meine damit Abläufe, also mehrere Dinge, die zusammen passieren sollen. Und genau das steckt in einer Szene drin. Eine Szene bündelt mehrere Zustände zu einem Paket, das du immer wieder abrufen kannst.
Der Unterschied: aktiv gegen passiv
Eine Automation hat einen Auslöser und Bedingungen. Sie wird durch ein Ereignis gestartet und macht dann irgendwas. Automationen sind also aktiv. Wie das Grundmuster aus Trigger, Bedingung und Aktion funktioniert, zeige ich dir im Video zu den Automation-Grundlagen.
Eine Szene wird nicht ausgelöst und kann von sich aus auch nichts tun. Sie beschreibt nur Zustände von Geräten oder Entitäten. Hast du im Wohnzimmer fünf Lampen, speicherst du in einer Szene, welche davon an sind, mit welcher Helligkeit und welcher Farbe. Diese Szene lässt sich dann aktivieren. Mehr nicht.
Eine Szene ist also passiv und muss angesteuert werden. Ich stelle mir das als Container voller Zustände vor: Du packst einmal rein, wie alles aussehen soll, und holst das Paket später aus verschiedenen Richtungen wieder raus. Richtig stark wird das, wenn eine Automation die Szene aktiviert. Dazu gleich mehr.
Eine Szene anlegen, Schritt für Schritt
Du findest Szenen unter Einstellungen → Automationen & Szenen. Im Szenen-Editor vergibst du zuerst einen Namen und ein Symbol. Dann ordnest du die Szene einem Bereich zu. Das ist optional, aber mach es. Du findest die Szene später viel schneller wieder, und das gilt für Geräte und alles andere genauso. Du wirst dir hinterher dankbar sein.
Danach fügst du Geräte hinzu und setzt jede Entität auf den Zustand, den sie in der Szene haben soll. Weil ein Gerät mehrere Entitäten mitbringen kann, geht das auch feiner: Statt des ganzen Geräts nimmst du nur einzelne Entitäten in die Szene auf, etwa eine Lichtgruppe mit 77 Prozent Helligkeit.
Eine Stolperfalle solltest du kennen: Der Editor startet im Live-Modus. Alle Änderungen an der Szene werden sofort auf deine echten Geräte angewendet. Als ich im Video das Terrassenlicht in die Szene aufgenommen habe, ging es draußen wirklich an. Beim Kirschbaum hat das Ansteuern der einzelnen Geräte dann gerade nicht geklappt, also habe ich stattdessen die Lichtgruppe als Entität reingenommen. Solche Momente gehören dazu. Wenn du nur nachschauen willst, was in einer Szene steckt, wechselst du in den Prüfmodus. Dann bleibt alles aus, wie es ist.
Am Ende klickst du auf Speichern und die Szene ist im Kasten. In YAML sieht so eine Szene übrigens so aus:
1scene:
2 - name: "Terrasse Abendlicht"
3 entities:
4 light.terrasse:
5 state: "on"
6 light.kirschbaum:
7 state: "on"
8 brightness: 196Du musst das nicht von Hand schreiben, der Editor erledigt das für dich. Aber lesen können hilft, wenn du Beispiele aus Foren verstehen willst. Mehr dazu im Guide YAML & Konfiguration.
Szenen aktivieren: App, Sprachbefehl oder Automation
Eine frisch gespeicherte Szene bringt dir erstmal nichts. Sie muss angesteuert werden, und dafür gibt es mehrere Wege.
Der direkteste: Du tippst sie im Dashboard oder in der Home Assistant App an. Auf dem iPhone kannst du sie über Siri-Kurzbefehle auslösen, die App macht das möglich. Oder du nutzt einen Sprachassistenten, ich sage abends nur "Gute Nacht" und die passende Szene läuft.
Der spannendste Weg führt über Automationen. Beim Erstellen einer Automation suchst du im Aktionen-Teil nach "Szene" und wählst "Szene aktivieren". Dann nur noch die Szene als Ziel auswählen, fertig. So sieht das in YAML aus:
1automation:
2 - alias: "Gute Nacht an Werktagen"
3 trigger:
4 - platform: time
5 at: "23:30:00"
6 condition:
7 - condition: time
8 weekday:
9 - mon
10 - tue
11 - wed
12 - thu
13 - fri
14 action:
15 - service: scene.turn_on
16 target:
17 entity_id: scene.gute_nachtDie Automation feuert werktags um 23:30 Uhr und aktiviert die Szene. Wenn du magst, gibst du beim Aktivieren noch einen Übergang mit, dann dimmen die Lampen sanft in ihren Zielzustand:
1action:
2 - service: scene.turn_on
3 target:
4 entity_id: scene.gute_nacht
5 data:
6 transition: 2Nebenbei: Als Aktion gibt es auch "Szene erstellen" und "Szene löschen". Damit lassen sich Szenen dynamisch aus Automationen heraus anlegen, etwa um den aktuellen Lichtzustand zu sichern und später wiederherzustellen. Das würde hier den Rahmen sprengen, aber gut zu wissen, dass es geht.
Meine Szenen: Kaffee kochen und Gute Nacht
Zwei Beispiele aus meinem Setup, beide löse ich per Sprachbefehl aus.
Die Szene "Kaffee kochen" ist herrlich simpel: Sie versetzt meinen Kaffeevollautomaten in ein bestimmtes Programm, und der kocht dann Kaffee. Ich sage den Befehl, die Maschine legt los. Man könnte das auch als Automation bauen, klar. Ich habe es als Szene gelöst, weil ich sie aus mehreren Richtungen ansteuern will.
Die Szene "Gute Nacht" ist das Gegenstück und deutlich voller: Alle Leuchtmittel im Erdgeschoss, dazu alles, was sich smart schalten lässt, geht aus. Die Jalousien fahren runter. Ein Satz, und im Haus wird es zappenduster, ich muss mich um nichts mehr kümmern.
Genau darin liegt der Vorteil von Szenen: Du baust den Ablauf einmal und verwendest ihn immer wieder. Per Sprachbefehl, per App, aus einer Automation um 23:30 Uhr. Eine Szene, viele Eingänge. Wie du Sprachbefehle einrichtest, steht im Guide zu Sprachassistenten und Benachrichtigungen.
Ordnung halten lohnt sich
Mit der Zeit sammeln sich Szenen an, und dann hilft die Listenansicht. Du kannst Szenen kategorisieren und gruppieren, nach Bereichen filtern oder einfach die Suche nutzen. Ich gruppiere nach Kategorien, du kannst aber genauso nach Bereichen gruppieren oder alles als alphabetische Liste anzeigen lassen. Über das Drei-Punkte-Menü an jeder Szene kannst du sie duplizieren, löschen oder direkt aktivieren.
Ein letzter Tipp, der für mich bei allem rund um Automatisierung am besten funktioniert: Komm vom Problem her. Überleg dir erst im Kopf, wie die Lösung aussehen soll, und bau sie dann in Home Assistant nach. Szenen sind nicht kompliziert. Man kann komplizierte Dinge damit bauen, aber nur, wenn man vorher weiß, was man will.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Szene und Automation in Home Assistant?
Eine Automation hat einen Auslöser und reagiert aktiv auf Ereignisse, etwa eine Uhrzeit oder einen Sensorwert. Eine Szene speichert nur Zustände mehrerer Geräte oder Entitäten und ist passiv. Sie macht erst etwas, wenn du sie aktivierst, zum Beispiel per App, Sprachbefehl oder aus einer Automation heraus.
Kann ich eine Szene zeitgesteuert aktivieren?
Ja, über eine Automation. Du legst eine Automation mit einem Zeit-Trigger an und wählst als Aktion "Szene aktivieren". So läuft deine Gute-Nacht-Szene zum Beispiel werktags automatisch um 23:30 Uhr, ohne dass du etwas sagen oder antippen musst.
Was ist der Unterschied zwischen Szene und Skript?
Eine Szene speichert Zustände: Lampe an, 50 Prozent, warmweiß. Ein Skript ist eine Abfolge von Aktionen, die nacheinander laufen, auch mit Wartezeiten und Verzweigungen. Brauchst du nur "alles soll so aussehen", nimm eine Szene. Brauchst du "erst das, dann warten, dann jenes", nimm ein Skript.
Warum schalten meine Lampen, während ich eine Szene bearbeite?
Der Szenen-Editor startet im Live-Modus. Alle Änderungen werden in Echtzeit auf deine Geräte angewendet, damit du das Ergebnis direkt siehst. Wenn du das nicht willst, wechselst du oben im Editor in den Prüfmodus. Dann kannst du die Szene anschauen, ohne dass sich im Haus etwas bewegt.
