Das Energie-Dashboard ist für mich eine der besten Funktionen in Home Assistant. Einmal eingerichtet, siehst du auf einen Blick, wie viel Strom dein Haushalt verbraucht, was die PV-Anlage liefert und was dich der Tag gekostet hat. Kein Basteln mit eigenen Diagrammen, alles fertig mitgeliefert.
Im Video aus der ABC-Reihe richte ich das Dashboard komplett ein, von den Sensoren bis zur Kostenberechnung mit Tibber. Hier die wichtigsten Schritte zum Nachlesen.
Was das Energie-Dashboard zeigt
Du findest es in der Seitenleiste unter Energie. Dort laufen alle Energiedaten deines Haushalts zusammen:
| Bereich | Daten | Typische Quelle |
|---|---|---|
| Netzbezug | Gekaufter Strom in kWh | Smart Meter, Lesekopf am Zähler |
| Einspeisung | Verkaufter Strom | Wechselrichter, Smart Meter |
| Solar | PV-Erzeugung | Wechselrichter-Integration |
| Batterie | Geladen und entladen | Speicher-Integration |
| Einzelgeräte | Verbrauch pro Gerät | Smarte Steckdosen mit Messfunktion |
Die Ansicht wechselt zwischen Tag, Woche, Monat und Jahr. Hinterlegst du einen Strompreis, rechnet Home Assistant die Kosten gleich mit aus. Bei dynamischen Tarifen wie Tibber fließt sogar der stündliche Preis ein.
Die Tagesansicht schlüsselt den Verbrauch pro Stunde auf. Du siehst also nicht nur, dass du heute zehn Kilowattstunden verbraucht hast, sondern auch, dass zwischen 12 und 13 Uhr besonders viel lief und welcher Anteil davon aus der eigenen PV-Produktion kam. Genau diese Auflösung macht das Dashboard so nützlich.
Energiefluss, Autarkie und nicht erfasster Verbrauch
Unten im Dashboard wartet meine Lieblingsansicht: das Energiefluss-Diagramm. Es zeigt animiert, woher dein Strom kommt und wohin er fließt. Vom Netz oder der PV-Anlage ins Zuhause, von dort in die Wärmepumpe oder über das Erdgeschoss in die Küche zur Spülmaschine. Wenn du deine Geräte sauber Bereichen zugeordnet hast, wird der Weg richtig anschaulich.
Dazu rechnet Home Assistant ein paar Kennzahlen aus: den PV-Eigenverbrauch (wie viel deiner Solarproduktion du selbst nutzt), den Autarkiegrad (wie unabhängig du vom Netz bist) und den Anteil an CO2-neutralem Strom. Bei mir liegt der Eigenverbrauch zum Beispiel bei rund 84 Prozent. Solche Zahlen helfen bei der Frage, ob sich ein Batteriespeicher lohnt oder ob du Verbraucher in die Sonnenstunden verschieben solltest.
Ein Posten taucht früher oder später bei jedem auf: der nicht erfasste Verbrauch. Das ist die Differenz zwischen Gesamtverbrauch und allem, was du einzeln misst. Bei mir steckt da vermutlich Heizung und Warmwasser drin, das habe ich selbst noch nicht komplett aufgedröselt. Lass dich davon nicht verrückt machen. Hundert Prozent Abdeckung erreicht kaum jemand, und das ist auch nicht das Ziel.
Die wichtigste Hürde: passende Sensoren
Das Dashboard selbst ist schnell konfiguriert. Die eigentliche Arbeit steckt in den Sensoren, denn nicht jeder Sensor taugt als Quelle. Home Assistant erwartet Energiewerte in kWh, die über die Zeit aufsummiert werden, keine momentane Leistung in Watt.
Genau daran scheitern viele beim ersten Versuch: Die smarte Steckdose liefert nur einen Leistungssensor, und das Dashboard bietet ihn gar nicht erst zur Auswahl an. Die Lösung ist ein Integrations-Helfer (Riemann-Summe), der aus Leistung Energie berechnet. Per UI geht das über die Helfer-Verwaltung, per YAML sieht es so aus:
1sensor:
2 - platform: integration
3 source: sensor.waschmaschine_leistung
4 name: Waschmaschine Energie
5 unit_prefix: k
6 round: 2
7 method: leftDer neue Sensor zählt in kWh hoch und lässt sich im Dashboard als Einzelgerät hinterlegen. Welche Geräte und Zähler sich überhaupt einbinden lassen, hängt von deinen Integrationen ab. Für die meisten Wechselrichter, Speicher und Smart Meter gibt es fertige Anbindungen.
Einrichtung Schritt für Schritt
Beim ersten Öffnen des Energie-Dashboards führt dich ein Assistent durch die Konfiguration. Später erreichst du dieselben Einstellungen über das Drei-Punkte-Menü oben rechts im Dashboard unter Energiekonfiguration oder über Einstellungen → Dashboards → Energie.
Du wählst nacheinander die Sensoren für Netzbezug, Einspeisung und Solar aus, optional Batterie und Gas oder Wasser. Auch ein CO2-Signal bringt Home Assistant mit, das den Anteil an klimaneutralem Strom in deinem Netz schätzt. Kannst du aktivieren, musst du aber nicht.
Danach heißt es: warten. Das Dashboard braucht bis zu zwei Stunden, bis neue Quellen auftauchen, weil es mit stündlichen Statistiken arbeitet. Home Assistant weist mit einem Hinweis direkt in der Konfiguration darauf hin. Das ist normal und kein Fehler, also nicht gleich alles wieder umkonfigurieren.
Für einzelne Verbraucher fügst du unter Einzelgeräte die Energie-Sensoren deiner smarten Steckdosen hinzu. Bei mir hängen Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner an Messsteckdosen. So sehe ich nicht nur den Gesamtverbrauch, sondern auch, welcher Anteil auf welches Gerät entfällt.
Was du mit den Daten anfängst
Der Überblick allein ist schon viel wert. Richtig spannend wird es, wenn du die Erkenntnisse in Automationen gießt. Ein Beispiel aus meinem Setup: Die Waschmaschine startet bevorzugt dann, wenn die PV-Anlage Überschuss liefert. Die Datengrundlage dafür kommt direkt aus den Energie-Sensoren.
Auch Stromfresser findest du so. Mein alter Gefrierschrank ist nach zwei Wochen Messung geflogen, die Zahlen waren eindeutig.
Dynamische Strompreise: Tibber und Automationen
Seit ich aufs E-Auto umgestiegen bin, nutze ich Tibber mit dynamischem Strompreis. Die Tibber-Integration in Home Assistant richtest du mit deinen Login-Daten ein und bekommst dann unter anderem den aktuellen Strompreis als Sensor. Damit lässt sich rechnen.
Ein Beispiel aus meinem Setup: Wenn jemand Waschmaschine, Geschirrspüler oder Trockner einschaltet, prüft eine Automation, ob der Strompreis gerade hoch ist und ob der Batteriespeicher zu leer ist, um das Gerät zu versorgen. Trifft beides zu, sagt mir die Sonos-Box, dass es günstiger wäre, später zu starten. Vereinfacht sieht das so aus:
1automation:
2 - alias: "Strompreis-Hinweis beim Gerätestart"
3 trigger:
4 - platform: state
5 entity_id: switch.geschirrspueler
6 to: "on"
7 condition:
8 - condition: numeric_state
9 entity_id: sensor.strompreis_aktuell
10 above: 0.39
11 - condition: numeric_state
12 entity_id: sensor.batteriespeicher_ladestand
13 below: 40
14 action:
15 - service: tts.cloud_say
16 data:
17 entity_id: media_player.sonos_kueche
18 message: >-
19 Der Strompreis ist gerade hoch. Es wäre günstiger,
20 den Geschirrspüler später zu starten.Die Entscheidung bleibt bei mir, aber ich treffe sie informiert. Genau das ist für mich der Wert eines dynamischen Tarifs: Die Preise liegen live in Home Assistant vor und du kannst darauf reagieren, ob mit einem Hinweis wie hier oder gleich mit smarter Steuerung der Wallbox.
Tipps aus der Praxis
Fang mit dem Gesamtverbrauch an. Ein Lesekopf am Stromzähler oder ein Smart-Meter-Adapter liefert dir die wichtigste Zahl überhaupt. Einzelgeräte kannst du danach Stück für Stück ergänzen.
Und hab Geduld mit der Statistik. Das Dashboard wird mit jeder Woche wertvoller, weil erst der Vergleich über Monate zeigt, wo dein Verbrauch wirklich steht. Die Monatsansicht hat mir zum Beispiel erst gezeigt, was die Wallbox wirklich zieht. In der Tagesansicht fiel sie kaum auf, über den Monat kamen 177 Kilowattstunden zusammen. Die ausführliche Anleitung mit allen Details findest du im Guide zum Energie-Dashboard.
Häufige Fragen
Warum zeigt das Energie-Dashboard keine Daten an?
Meistens liegt es an einem von zwei Dingen. Entweder ist der gewählte Sensor kein Energiesensor in kWh, sondern ein Leistungssensor in Watt, dann hilft der Integrations-Helfer. Oder die Konfiguration ist schlicht zu frisch: Das Dashboard arbeitet mit stündlichen Statistiken und braucht bis zu zwei Stunden, bis neue Quellen Daten zeigen.
Welche Hardware brauche ich für das Energie-Dashboard?
Für den Gesamtverbrauch reicht ein Lesekopf am Stromzähler oder ein Smart-Meter-Adapter. Einzelne Geräte misst du mit smarten Steckdosen, die eine Messfunktion haben. Wer eine PV-Anlage hat, bindet den Wechselrichter über die passende Integration an. Du kannst klein anfangen, das Dashboard wächst mit.
Was bedeutet "nicht erfasster Verbrauch"?
Das ist die Differenz zwischen deinem gemessenen Gesamtverbrauch und der Summe aller einzeln erfassten Geräte. Fest verdrahtete Verbraucher wie Herd, Heizstab oder Beleuchtung tauchen dort auf, weil sie an keiner Messsteckdose hängen. Ein hoher Wert ist kein Fehler, sondern zeigt nur, was du noch nicht einzeln misst.
Kann ich auch Gas und Wasser im Energie-Dashboard erfassen?
Ja, die Energiekonfiguration hat eigene Felder für Gas- und Wasserverbrauch. Voraussetzung ist ein Sensor, der die Zählerstände digital liefert, etwa ein Lesekopf am Gaszähler. Die Werte erscheinen dann als eigene Bereiche im Dashboard, inklusive Kostenberechnung.
