Lohnt sich eine Photovoltaikanlage? Diese Frage bekomme ich ständig gestellt, und nach gut acht Monaten Betrieb kann ich sie mit echten Zahlen beantworten. Im Video gehe ich durch das SolarEdge-Monitoring und das Energie-Dashboard in Home Assistant. Hier die Werte zum Nachlesen, alle mit Stand des Videos vom Sommer 2024.
Die Anlage und die Gesamtbilanz
Meine Anlage hat eine Spitzenleistung von 5,625 kWp und läuft seit dem 12.12.2023. Bis zum Dreh Ende August hatte sie 4,44 Megawattstunden produziert, allein 728 Kilowattstunden im laufenden Monat. Wichtig für die Einordnung: Unser Haus heizt, kühlt und macht Warmwasser komplett über eine Wärmepumpe. Der gesamte Energiebedarf läuft also über Strom, entweder vom Dach oder zugekauft.
Aufs Jahr gerechnet standen damals 4,42 Megawattstunden Produktion einem Verbrauch von 6,09 Megawattstunden gegenüber. Zugekauft habe ich 3,1 Megawattstunden, eingespeist 1,4. Die Anlage deckt also einen großen Teil, aber eben nicht alles. Vor allem im Winter klafft die Lücke, weil die Wärmepumpe dann am meisten zieht und die Produktion gleichzeitig am niedrigsten ist.
Ein Beispieltag im Detail
Der Tag vor dem Dreh zeigt das Muster gut: 20,11 Kilowattstunden produziert, 16,04 verbraucht. Rein rechnerisch ein Überschuss von vier Kilowattstunden, also alles gut? Eben nicht. Tatsächlich habe ich an dem Tag 3,48 Kilowattstunden zugekauft und gleichzeitig 7,55 eingespeist.
Der Grund ist der Batteriespeicher. Tagsüber ist er irgendwann voll, der restliche Überschuss geht ins Netz. Nachts und am frühen Morgen ist er leer, dann kaufe ich zu. Produktion und Verbrauch passen zeitlich einfach nicht zusammen, und der Speicher gleicht nur einen Teil davon aus. Im Sommer sieht der Ablauf typischerweise so aus: Ab etwa 8 Uhr morgens deckt die Sonne den Verbrauch und lädt nebenbei die Batterie. Ab dem frühen Abend lebt das Haus aus dem Speicher, bei mir meist bis kurz nach Mitternacht. An sparsamen Tagen hat der Speicher sogar schon mal bis zum nächsten Morgen gereicht, dann waren wir 24 Stunden komplett autark. Das ist aber die Ausnahme.
Größerer Speicher? Nicht ohne größere Anlage
Die naheliegende Idee: einfach mehr Speicher. Ganz so simpel ist es nicht. Ein größerer Speicher will auch gefüllt werden, und wenn die Anlage dafür zu klein ist, lädt sie tagsüber nur noch die Batterie und für den Direktverbrauch bleibt zu wenig. Speicher und Anlage müssten also zusammen wachsen. Inzwischen habe ich genau das gemacht und den Jackery SolarVault 3 Pro als Nachrüst-Speicher ergänzt.
Dazu kommt bei uns ein absehbarer Mehrverbrauch: Der Leasingvertrag für den Verbrenner läuft aus, das nächste Auto wird elektrisch. Damit steigt der Strombedarf weiter, und es wäre schön, wenn das Dach einen Teil davon abfängt. Aber ein neues Auto und eine größere Anlage muss man eben auch erst mal bezahlen. Wie das E-Auto später tatsächlich in meiner Bilanz aussah, siehst du im Beitrag zum Laden mit Tibber.
Auswertung in Home Assistant
Das SolarEdge-Monitoring liefert alle Rohdaten, gewonnen hat bei mir trotzdem das Energie-Dashboard in Home Assistant. Die Aufbereitung ist schlicht besser. Für den August zeigte es mir: 65 Prozent der Solarenergie selbst verbraucht, Selbstversorgungsgrad 40 Prozent, 432 Kilowattstunden aus dem Netz.
Dazu kommt die Geräteebene. Mein Schreibtisch stand im Monat bei 64 Kilowattstunden, was beim Arbeiten im Homeoffice schnell zusammenkommt, der Fernseher bei 15. Solche Details machen das Verbrauchsverhalten greifbar, und genau da setzt die Optimierung an. Nett am Rande: Die SolarEdge-Übersicht rechnete damals knapp 2.000 Kilogramm eingesparte CO2-Emissionen aus. Wenn die Anlage nebenbei der Umwelt hilft, ohne dass ich aktiv etwas tun muss, nehme ich das gern mit.
Im Video baue ich am Ende noch ein Statistikdiagramm für die eingespeiste Energie aufs Dashboard. Dabei zeigt sich eine Eigenheit: Der Wert kann negativ werden, nämlich an Tagen, an denen der Verbrauch über der Produktion lag. Das Diagramm zeigt also die Netto-Überproduktion pro Tag. Wie du solche Auswertungen sauber aufsetzt, zeige ich im Video zum Utility Meter.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Photovoltaikanlage nun?
Für mich klar ja, auch wenn sie den Bedarf nicht komplett deckt. Rund zwei Drittel der Produktion verbrauche ich selbst, der Zukauf ist deutlich gesunken, und im Sommer läuft das Haus über weite Strecken autark. Die genaue Rechnung hängt aber von Dach, Verbrauch und Strompreis ab, meine Zahlen sind ein Anhaltspunkt, keine Garantie.
Warum kaufe ich Strom zu, obwohl ich am selben Tag einspeise?
Weil Produktion und Verbrauch zeitversetzt sind. Mittags ist der Speicher voll und der Überschuss geht ins Netz, nachts ist er leer und ich kaufe zu. Auf der Tagesbilanz sieht das widersprüchlich aus, im Stundenverlauf ist es völlig logisch.
Wie groß sollte der Batteriespeicher sein?
Größer ist nicht automatisch besser. Der Speicher muss zur Anlagenleistung und zum Verbrauchsprofil passen, sonst bekommst du ihn im Winter nicht voll oder verlierst tagsüber Direktverbrauch. Bei mir reicht der Speicher im Sommer meist bis nach Mitternacht, eine Vergrößerung würde nur zusammen mit mehr Modulleistung Sinn ergeben.
Wie bekomme ich solche Auswertungen in Home Assistant?
Über das Energie-Dashboard. Du brauchst Sensoren für Produktion, Netzbezug, Einspeisung und Batterieladung, die meist der Wechselrichter über eine Integration liefert, bei mir SolarEdge. Danach rechnet Home Assistant Eigenverbrauch und Selbstversorgungsgrad automatisch aus.
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