Ich habe jetzt fünf Tage lang lückenlos aufgezeichnet, was mein erweitertes PV-Setup wirklich leistet. Keine Hochrechnungen, keine Cloud-Schätzungen, kein Herstellerversprechen. 1,2 Millionen Messwerte, 175 Kennzahlen pro Minute, alle 60 Sekunden ein kompletter Snapshot der Anlage. Das ist Teil 3 meiner kleinen PV-Serie und hier gibt es jetzt die nüchterne Abrechnung.
Falls du Teil 1 und Teil 2 noch nicht gesehen hast: In Teil 1 habe ich den Solarzaun gebaut und das Garagendach erweitert, in Teil 2 kamen die Erweiterungsbatterien dazu und alles wurde in Home Assistant integriert. Ab da habe ich dann angefangen, die Daten aufzuzeichnen.
Das Setup auf einen Blick
Drei Standorte, ein Haus. Damit du dir das vorstellen kannst, hier einmal das komplette Setup in der Übersicht:
| Komponente | Details |
|---|---|
| PV gesamt | 10,63 kWp auf drei Standorten (+39 % zu vorher) |
| Süd-Dach | SolarEdge mit Hausbatterie (~9,8 kWh) |
| Ost/West-Zaun | 4x 500 Wp bifaziale Module am Stabgitterzaun, SolarVault 3 Pro + 1x BP2500 (5,04 kWh) |
| Garagendach | 6x 500 Wp Module, SolarVault 3 Pro Max + 4x BP2500 (12,6 kWh) |
| Speicher gesamt | 27,44 kWh (SolarEdge + SolarVault Pro + SolarVault Pro Max) |
| Smart Meter | Jackery Smart Meter 3P im Zählerkasten |
| Dynamischer Tarif | Tibber |
| Großverbraucher | Wärmepumpe, Tesla |
Gegenüber dem vorherigen Stand sind das +39 % mehr PV-Leistung und +58 % mehr Speicherkapazität. Das klingt schon mal gut. Aber ob es sich in echten Zahlen auch so anfühlt, das wollte ich eben nicht schätzen, sondern messen.
Die Headline-Zahlen nach 5 Tagen
Fangen wir mit dem an, was am Ende zählt:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| PV-Ertrag gesamt | 231 kWh |
| Autarkiegrad | 96 % |
| Eigenverbrauchsquote | 86 % |
| Netzeinspeisung | 33 kWh (14 % der PV) |
| Netzbezug | nur an Tesla-Ladetagen nennenswert |
96 % Autarkiegrad in fünf Tagen. Das ist natürlich wetterabhängig und die Messperiode war relativ sonnig, ich will das nicht kleinreden. Aber es zeigt zumindest, was das Setup bei gutem Wetter leisten kann. Und ehrlich gesagt: Ich bin wahnsinnig zufrieden mit diesen Zahlen.
Zaun vs. Dach: Wer liefert wann?
Das war für mich die spannendste Frage überhaupt, denn das war ja der eigentliche Plan beim Zaunkraftwerk. Das Süd-Dach liefert den klassischen Mittagsberg, also hohe Leistung wenn die Sonne direkt draufknallt. Der Ost/West-Zaun ist flacher in der Spitze, aber dafür breiter: morgens über die Ost-Seite, abends über die West-Seite, und zwar genau dann, wenn das Dach schon anfängt abzufallen.
Das Ergebnis ist ein fast durchgehendes Tagesprofil statt einer Mittagsspitze mit viel Überschuss, den ich gar nicht verbrauchen kann. Der Zaun rechnet sich über das wann, nicht nur über die kWh. Er füllt die Lücken, in denen ohne ihn Strom aus dem Netz kommen müsste.
Konkret hat das Zaunkraftwerk in den fünf Tagen 40,8 kWh geliefert, das Balkonkraftwerk auf der Garage 40,5 kWh. Fast identisch. Das Süd-Dach lag bei 149,9 kWh, was logisch ist, weil die Anlage einfach größer und besser ausgerichtet ist. Das Dach trägt die Grundlast, die Erweiterungen gleichen aus, was das Dach in den Randstunden nicht liefert. Das geht wirklich gut auf.
Wohin fließt der Sonnenstrom?
Aus den 231 kWh PV-Ertrag sind diese drei Wege entstanden:
| Verwendung | Anteil |
|---|---|
| Direktverbrauch im Haus | 32 % |
| In die Speicher geladen | 54 % |
| Ins Netz eingespeist | 14 % |
Über die Hälfte des erzeugten Stroms läuft durch die Akkus und deckt Abend und Nacht ab. Die 14 % gehen ins Netz, weil die drei Speicher noch getrennt regeln und das nicht vollständig abfangen. Da liegt noch Potenzial, aber 14 % Einspeisung sind trotzdem schon ein Wert, mit dem ich gut leben kann.
Was ich auch schön sehe: Seitdem ich mich mit Überschussladen für den Tesla beschäftigt habe, lade ich das Auto deutlich häufiger mit selbst erzeugtem Strom. Das treibt die Amortisierung der Anlage nochmal spürbar voran und ist eigentlich ein Aspekt, den man beim Planen solcher Setups nicht unterschätzen sollte.
Reichen 27 kWh im Alltag?
Kurze Antwort: Ja. Ich habe es in diesen fünf Tagen nicht einmal geschafft, alle Akkus auf 0 % runterzufahren. Es war immer irgendwo Batteriespeicher übrig.
Vorher, mit 17,4 kWh und weniger PV, war der Speicher abends oft leer. Wärmepumpe und Tesla haben dann aus dem Netz gezogen. Mit 27 kWh tragen die Speicher sauber durch die Nacht. Nennenswerten Netzbezug gibt es aktuell eigentlich nur noch an Tagen, an denen der Tesla viel geladen hat.
Es gibt allerdings einen Haken, den ich in den Daten gesehen habe: Die große Garage-Batterie, der SolarVault Pro Max, blieb fast durchgehend oben und ist nie unter 56 % State of Charge gefallen. Zaun und Dach haben dagegen sauber durchgezyklert, runter bis 9 %. Das bedeutet, dass da rund 7 kWh Speicher kaum genutzt werden. Der Grund ist einfach: Die Systeme regeln getrennt und sehen sich nicht gegenseitig. Dazu gleich mehr.
Der unsichtbare Verbraucher
Das ist vielleicht der interessanteste Befund aus dieser Messung. Der Heizstab der Wärmepumpe hat in fünf Tagen 55 kWh gezogen. Er ist dabei an keinem Standard-Sensor aufgetaucht, weil er ohne Verdichter läuft und damit in den üblichen Energie-Dashboards einfach nicht sichtbar war.
Ich habe insgesamt noch 37,7 kWh in der Kategorie "nicht erfasster Verbrauch" stecken, die ich gerade noch nicht vollständig aufgelöst habe. Vielleicht sind da noch weitere Wärmepumpen-Nebenverbraucher drin. Das ist für mich das nächste Thema, mit dem ich mich intensiver beschäftigen werde, denn knapp 476 Watt dauerhaft nicht zu kennen ist nicht gerade unerheblich. Solche blinden Flecken findest du wirklich nur, wenn du jede Last einzeln misst.
So habe ich gemessen
Damit das Ganze auch nachvollziehbar ist, hier kurz wie die Messung technisch aufgebaut war:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Messwerte gesamt | 1.197.000 |
| Kennzahlen pro Messung | 175 |
| Takt | 60 Sekunden |
| Laufzeit | 5 Tage, lückenlos |
| Zeitpunkte protokolliert | 6.840 |
Ich habe einen eigenen Recorder in Home Assistant laufen gehabt, der jede Minute den kompletten Zustand der Anlage festgehalten hat. Alle Energiewerte stammen aus den lückenimmunen Zählern, deren kWh-Summe selbst bei einer kurzen Aufzeichnungslücke stimmt. Kein Wert wurde aus Live-Leistungswerten hochgerechnet.
Das Python-Script dafür lief fünf Tage durchgehend auf meinem MacBook, was dank des Batteriespeichers im Grunde kein Problem war. Das Ergebnis ist eine CSV-Datei mit fast 20 MB, die ich dann ausgewertet habe.
Stolpersteine aus der Praxis
In diesen fünf Tagen sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich dir nicht vorenthalten will, weil sie wirklich relevant sind wenn du ein ähnliches Setup planst.
1. batOutPw vs. stackOutPw bei Jackery: Der Leistungssensor batOutPw zeigt nur die Master-Einheit. Mit Erweiterungsakkus liegt die Anzeige massiv zu niedrig, bei mir 600 W am Gerät vs. 350 W in Home Assistant. Der Fix ist einfach: stackOutPw und stackInPw verwenden, die messen den kompletten Akku-Turm.
2. se_consumption lügt: Der SolarEdge-Verbrauchssensor ist nicht der echte Hausverbrauch, sobald die Jackerys AC einspeisen. Nachts sieht er die Last nur halb, weil der Jackery-AC den CT umgeht. Tagsüber bucht er das Akku-Laden als Verbrauch. Das ist ein bekanntes Problem und muss man wissen, bevor man darauf irgendwelche Automationen aufbaut.
3. Fehlende Koordination der Speicher: Die drei Systeme arbeiten nicht als Team. Ich habe Momente in den Daten gesehen, wo die Pro Max mit 2,1 kW geladen hat, während die SolarEdge-Batterie gleichzeitig 900 W entladen hat. Energie wandert dabei mit doppeltem Wandlungsverlust von einem Akku in den anderen. Das ist nicht optimal und genau der Punkt, den ich als erstes angehen will.
Es gibt übrigens auch Lücken auf der SolarEdge-Cloud-Seite: Der Endpunkt friert regelmäßig ein, weil die Cloud sich nur ungefähr alle 15 Minuten aktualisiert. Wer saubere Live-Daten will, sollte SolarEdge direkt über Modbus abfragen statt über die Cloud-Integration.
Vorher vs. Nachher
Zum direkten Vergleich nochmal gegenübergestellt, was sich durch den Ausbau geändert hat:
| Merkmal | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| PV-Leistung | 7,65 kWp | 10,63 kWp (+39 %) |
| Speicher | 17,36 kWh | 27,44 kWh (+58 %) |
| Anlagen | 2 (Dach + Garage) | 3 (Dach + Garage + Zaun) |
| Speicher abends leer | häufig | selten |
Das ist tatsächlich ein spürbarer Unterschied im Alltag. Abends in die Statistik schauen und sehen, dass man den ganzen Tag von selbst produziertem Strom gelebt hat, das ist ein Gefühl, das ich nicht unterschätzen würde.
Kosten und Amortisation
Kommen wir zum Teil, der die meisten interessiert. Ich habe das Ganze mit ungefähr 3.400 € an Investition gerechnet, aufgeschlüsselt so:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Zaun-Module + Montage (Yuma Fence 2000+) | ~500–600 € |
| Garagendach-Module + Aufständerung | ~250–300 € |
| SolarVault 3 Pro Max | 899 € |
| 3x BP2500 Erweiterungsakkus (neu, 1 vorhandener) | 1.497 € |
| Zubehör (Kabel, Y-Stecker, Base) | ~130–180 € |
| Gesamt | ~3.400 € |
Die Ersparnis pro Jahr habe ich in drei Szenarien gerechnet, auf Basis des PVGIS-Jahresertrags des Upgrades (rund 2.724 kWh: Zaun plus Garagendach-Mehrertrag), nicht der sonnigen Messwoche hochgerechnet:
| Szenario | Ersparnis/Jahr | Amortisation |
|---|---|---|
| Optimistisch (88 % EV, 31 ct/kWh) | ~769 € | ~4,4 Jahre |
| Realistisch (80 % EV, 24,1 ct/kWh) | ~569 € | ~6,0 Jahre |
| Pessimistisch (70 % EV, 22 ct/kWh) | ~436 € | ~7,8 Jahre |
Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo zwischen optimistisch und realistisch, also zwischen 4,4 und 6 Jahren. Das finde ich für ein System, das ich täglich nutze und das mir aktiv Geld spart, einen ziemlich überschaubaren Zeitraum.
Noch ein Hinweis zur Steuer: Module, Wechselrichter und Speicher sind seit 2023 mit 0 % Mehrwertsteuer belegbar, das gilt unbefristet. Und bei Anlagen unter 30 kWp sind Einnahmen aus der Einspeisung einkommensteuerbefreit. Mit meinen 10,63 kWp bleibe ich da klar drunter.
Anmeldung und Rechtliches
Kurz noch zu den formalen Pflichten, weil ich das immer wieder gefragt werde. Was ich hier sage, basiert auf meinen eigenen Recherchen und Erfahrungen, keine Rechtsberatung.
Das Marktstammdatenregister (MaStR) ist Pflicht, und zwar innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Für die Garage-Anlage bedeutet das, den bestehenden Eintrag anzupassen, also Wechselrichterleistung und Modulleistung aktualisieren. Für den Zaun kommt eine neue Erzeugungsanlage dazu. Das klingt aufwändiger als es ist: Wenn du unter 800 Watt Wechselrichterleistung und 2000 Watt Peak bleibst, ist das wirklich in 20 Minuten erledigt.
Wenn die Anlage größer wird, muss sie von einem Fachbetrieb angemeldet und abgenommen werden. Und wenn du eine Wallbox hast, muss die einmalig beim Netzbetreiber registriert werden. Auch das geht bei den meisten Anbietern einfach online.
Seit dem Solarpaket I braucht es beim Netzbetreiber keine Genehmigung mehr für die Anlage selbst. Das vereinfacht die Sache deutlich.
Was ich anders machen würde
Wenn ich das Setup nochmal von Grund auf plane, dann ändere ich drei Dinge:
Speicher-Koordination von Anfang an planen. Die drei Systeme brauchen ein gemeinsames Gehirn. Home Assistant kann die Abgabeleistung über maxOutPw so steuern, dass Überschuss zuerst in den freien Speicher wandert statt ins Netz. Das muss von Tag eins an gedacht werden, nicht nachträglich.
Jackery-Vernetzung abwarten. Der LAN-Parallelbetrieb, also ein Smart Meter für zwei SolarVaults, soll laut Jackery-Support im Juli 2026 kommen. Das vereinfacht die Koordination der Systeme erheblich. Ich bin gespannt, ob das Problem mit den gegenseitig entladenden Akkus sich dann von selbst erledigt.
Heizstab sofort messen. Große Verbraucher wie den WP-Heizstab von Tag eins separat erfassen. Wer 55 kWh in fünf Tagen zieht und nicht sichtbar ist, macht jede Energiebilanz ungenau.
Den Jackery Solarspeicher und alle anderen Produkte aus diesem Setup findest du im Yuma Shop. Mit dem Gutscheincode allesautomatisch30 bekommst du zusätzlich 30 € Rabatt auf alles, auch auf laufende Aktionen. Das würde ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen.
In ein paar Monaten schaue ich nochmal auf einen größeren Zeitraum und dann können wir sehen, wie sich die Zahlen über Sommer und Herbst entwickeln. Nutzt du auch ein Balkonkraftwerk oder Zaunkraftwerk? Was sind deine Erfahrungen mit dem Eigenverbrauch?
