Mein Speicher war jeden Abend leer. Mit Wärmepumpe und Tesla komme ich auf 20 bis 30 kWh Tagesverbrauch, manchmal auch mehr. Die 7,5 kWh Jackery-Kapazität, die ich bis vor Kurzem hatte, reichten da einfach nicht aus. Tagsüber produziere ich Strom, den ich nicht vollständig zwischenspeichern kann, und abends kaufe ich dann wieder teuer ein. Das wollte ich ändern. Die Lösung: 4 bifaziale Module an den Gartenzaun und 2 weitere Module aufs Garagendach. Insgesamt 3.000 Watt mehr PV-Leistung und deutlich mehr Speicher. Das ist Teil 1 einer kleinen Serie rund um das Thema.
Mein Setup vorher
Damit du verstehst, wo ich stehe und warum ich das Upgrade gemacht habe, kurz mein Setup vor dem Umbau:
| Komponente | Details |
|---|---|
| Dach-PV | SolarEdge mit Batterie (9,8 kWh) |
| Garagendach | 4x 500Wp Module, DC direkt an SolarVault 3 Pro (alle 4 MPPT belegt) |
| Speicher | Jackery SolarVault 3 Pro + 2x BP2500 = 7,56 kWh, in der Garage |
| Smart Meter | Jackery Smart Meter 3P im Zählerkasten |
| Dynamischer Tarif | Tibber |
| E-Auto | Tesla mit Wall Connector Gen 3 |
| Wärmepumpe | Ja |
| Tagesverbrauch | 20-30 kWh (Sommer), mit Tesla bis 60 kWh |
Das Problem war eigentlich simpel: Ich hatte zu wenig Speicher für meinen Verbrauch. Dazu kommt, dass die Dachanlage nach Süden ausgerichtet ist und mittags am meisten produziert. Morgens und abends, wenn der Verbrauch durch Wärmepumpe oder Autoladen ansteigt, liefert das Dach kaum noch etwas. Der Speicher war dann schnell leer und der Zähler lief wieder vorwärts.
Das neue Setup nach dem Upgrade
Nach dem Umbau sieht das Ganze deutlich anders aus. Ich habe zwei neue Standorte dazubekommen und den Bestand umverteilt.
Garten und Zaun (Ost/West, Stabgitterzaun):
Der bisherige SolarVault 3 Pro aus der Garage wandert jetzt in den Garten. Dort steht er auf einer SolarVault Base, die ihn IP65-tauglich draußen betreiben lässt. An die vier MPPT-Eingänge kommt je eines der vier neuen Zaun-Module. Das DC-Kabel vom Zaun zum Speicher ist rund 4 Meter lang. Der AC-Ausgang läuft über ein H07RN-F Outdoor-Kabel durch den Rasen zur Außensteckdose und speist von dort ins Hausnetz ein. Eine BP2500 bleibt beim Garten-Setup.
- 4x 500Wp bifaziale Module (querformat, ca. 8m Zaunfläche)
- SolarVault 3 Pro mit 1x BP2500
- Gesamt Garten: 5,04 kWh Speicher
- Eigener Einspeisepunkt ins Hausnetz
Garagendach:
Die vier bestehenden Module bleiben. Dazu kommen zwei neue 500Wp Module, die per MC4-Y-Stecker parallel auf die vorhandenen MPPT-Strings gelegt werden. Insgesamt sind das jetzt 6 Module auf dem Garagendach, die in den neuen SolarVault 3 Pro Max in der Garage einspeisen.
Garage (innen):
Der neue SolarVault 3 Pro Max ersetzt den bisherigen Pro. Die MPPT-Belegung sieht nach dem Umbau so aus:
- MPPT 1: 2 Module parallel (Bestand + neu via Y-Stecker)
- MPPT 2: 2 Module parallel (Bestand + neu via Y-Stecker)
- MPPT 3: 1 Modul (Bestand)
- MPPT 4: 1 Modul (Bestand)
AC-Ausgang: 2.500 Watt On-Grid plus Off-Grid-Notstrom. Dazu kommen 4x BP2500, die ich im zweiten Teil dieser Serie installiere.
Speicher gesamt nach Upgrade
| Standort | Kapazität |
|---|---|
| Jackery Garage (Pro Max + 4x BP2500) | 12,60 kWh |
| Jackery Garten (Pro + 1x BP2500) | 5,04 kWh |
| SolarEdge Dachanlage | ~9,80 kWh |
| Gesamt | ~27,44 kWh |
Das ist ein Zuwachs von 58% gegenüber vorher. Und bei der PV-Leistung kommen wir auf plus 39% durch Zaun und die zwei neuen Garagenmodule.
Warum bifaziale Module am Zaun wirklich funktionieren
Das ist der Teil, bei dem ich selbst ein bisschen überrascht war, wie gut die Zahlen aussehen. Mein Zaun verläuft von Nord nach Süd. Die Module schauen also nach Osten und nach Westen. Klingt erstmal suboptimal, weil Süd ja immer besser ist, oder?
Stimmt aber nicht ganz, wenn du bifaziale Module nimmst. Die erzeugen von beiden Seiten Strom. Vorne die Ost-Seite am Morgen, hinten die West-Seite am Nachmittag. Und weil ich hier in Bad Oeynhausen auf 52,2° Nord sitze, sieht der PVGIS-Vergleich für vertikale Module so aus:
PVGIS-Ertragsvergleich (pro kWp, vertikal 90°)
| Ausrichtung | Jahresertrag | vs. optimale Dachanlage |
|---|---|---|
| 35° Süd (Referenz Dach) | 1.013 kWh | 100% |
| Zaun Ost + West bifazial | ~912 kWh | 90% |
| 90° Süd (vertikal) | 728 kWh | 72% |
Der Trick ist die Ost/West-Ausrichtung mit bifazialen Modulen. Ein vertikal montiertes Modul nach Süden liefert nur 72% einer optimalen Dachanlage. Ost und West zusammen, beide Seiten genutzt, kommen auf 90%. Das ist tatsächlich wahnsinnig nah an einer klassischen Dachanlage.
So kommt die 912 kWh-Zahl zustande
- Ost-Seite (Vorderseite): 510 kWh/kWp
- West-Seite (Rückseite, x0,80 Bifazialitätsfaktor): 502 x 0,80 = 402 kWh/kWp
- Gesamt: ~912 kWh/kWp
Tagesprofil: Zaun und Garagendach ergänzen sich perfekt
Das ist eigentlich der Clou an dem ganzen Aufbau:
- Zaun Ost/West: produziert morgens über die Ost-Seite und abends über die West-Seite
- Garagendach Süd: produziert mittags am meisten
- Kombiniert: Produktion von früh bis spät, über den ganzen Tag verteilt
Statt einer Mittagsspitze mit viel Überschuss, den ich sowieso nicht verbrauchen kann, produziere ich jetzt über den ganzen Tag gleichmäßiger. Das passt viel besser zu meinem Verbrauchsprofil, weil Wärmepumpe und Autoladen eben nicht nur mittags Strom brauchen.
Die Hardware im Detail
SolarVault 3 Pro Max (neu, Garage):
- 2,52 kWh (LiFePO4), 6.000+ Zyklen
- 4x MPPT, bis 4.000 Wp PV-Eingang
- 2.500 Watt AC-Ausgang (integrierter Wechselrichter), On-Grid und Off-Grid
- Notstrom: 2.500 Watt Dauerleistung, Umschaltung unter 20ms
- IP65, -20°C bis +55°C
- WLAN, Bluetooth, Ethernet
Der entscheidende Unterschied zum Pro ist der Notstrom. Der Pro Max liefert bei Stromausfall 2.500 Watt statt 1.200 Watt. Das reicht, um den Kühlschrank, den Router, die Heizungssteuerung und vielleicht noch den Server am Laufen zu halten, wenn irgendwo ein Unwetter den Strom abschaltet. Die Umschaltung passiert in unter 20ms, also bevor die meisten Geräte überhaupt bemerken, dass etwas war.
SolarVault 3 Pro (Bestand, jetzt im Garten):
- 2,52 kWh (LiFePO4), 6.000+ Zyklen
- 4x MPPT, bis 4.000 Wp PV-Eingang
- 1.200 Watt AC-Ausgang, nur On-Grid
- IP65, auf SolarVault Base im Freien
- Rund 25,5 kg
Zaun-Module (SunPro 500Wp bifazial):
- N-Type TOPCon, 108 Zellen, 22,5% Wirkungsgrad
- 1.960 x 1.134 x 30 mm (querformat: ca. 196 cm breit, ca. 113 cm hoch)
- 26,6 kg pro Modul
- Bifazial Glas-Glas Full Black, Bifazialitätsfaktor über 80%
- 4 Module querformat brauchen ca. 7,9m Zaunlänge
BP2500 Erweiterungsbatterie:
- 2,52 kWh, LiFePO4, 6.000+ Zyklen
- Plug & Play, bis zu 5 Stück pro SolarVault
- IP65, outdoor-fähig, einfach übereinander stapeln
Warum kein extra Wechselrichter nötig ist
Ich werde öfter gefragt, warum ich keinen Hoymiles verwende. Beide SolarVaults haben integrierte Wechselrichter. Es gibt nichts extra einzurichten, keine zusätzliche Komponente, die ausfallen kann. Du stellst eine zweite SolarVault auf und hast direkt einen zweiten Einspeisepunkt. Weniger Teile, weniger Verlust, einfacher zu skalieren. Das finde ich eigentlich ziemlich durchdacht.
MC4-Y-Stecker am Garagendach
Die zwei neuen Module am Garagendach werden per MC4-Y-Stecker parallel auf die bestehenden MPPT-Eingänge gelegt. So belegen 6 Module nur 4 MPPT-Kanäle:
- MPPT 1: 2 Module parallel (Bestand + neu)
- MPPT 2: 2 Module parallel (Bestand + neu)
- MPPT 3: 1 Modul (Bestand)
- MPPT 4: 1 Modul (Bestand)
Die MPPT-Eingänge der SolarVault vertragen maximal 28A Isc pro Kanal. Zwei Module parallel liegen innerhalb der Spezifikation, das ist also kein Problem.
Die Installation: Garagendach
Die Montage der zwei neuen Halterungen auf dem Garagendach geht wirklich schnell. Das Montagezubehör kommt vorbildlich sortiert, jede Schraubentype in einer eigenen Tüte. Vier Halterungen zusammengeschraubt in ein paar Minuten.
Was ich dir ehrlich sagen muss: Tu das nicht alleine. Es geht, ich habe es bewiesen. Aber ich war danach wahnsinnig kaputt. Zu zweit ist das gleiche Projekt in einem Bruchteil der Zeit erledigt und deutlich entspannter. Und falls das Wetter an dem Tag wie bei mir zwischen den Regenschauern wechselt, hilft ein zweites Paar Hände noch mehr.
Die Module lassen sich mit einer Decke über die Dachkante schieben. Ausrichten, festschrauben, Steinplatten auf die Füße legen damit bei Sturm nichts wegfliegt, Kabel verlegen und mit Kabelbindern ordentlich zurückbinden. Die Y-Stecker zum Anschließen der neuen Module lassen sich mit dem mitgelieferten Werkzeug einfach öffnen, ohne dass man sich was abbricht. Zusammenstecken geht dann nur in eine Richtung, man kann da eigentlich nichts falsch machen.
Die Installation: Zaunkraftwerk
Hier gab es bei mir eine kleine Herausforderung: Mein Zaun ist knapp 1,20m hoch. Das ist für die Montage eigentlich nicht ganz ausreichend. Ich habe die beiliegenden Schellen dann einfach umfunktioniert und die Module trotzdem befestigen können. Sie sitzen bombenfest.
Das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht. Ich habe nicht nur ein Zaunkraftwerk bekommen, sondern gleichzeitig auch einen ziemlich stylischen Sichtschutz. Das war so nicht geplant, ist aber ein schöner Bonus.
Den Gutscheincode allesautomatisch30 für 30€ Rabatt bei Yuma findest du übrigens auch auf der Gutscheinseite. Das Yuma Fence 2000+ Komplettset kostet aktuell rund 629 Euro und kommt mit allem, was du brauchst: Module, Hoymiles-Wechselrichter, Anschlusskabel, komplettes Montagezubehör. Ein paar Tage nach der Bestellung bekommst du per E-Mail schon alle PDFs und QR-Codes mit Videoanleitungen, bevor das Paket überhaupt ankommt. Ich hatte vorher eigentlich keine Ahnung von dem Thema und habe es trotzdem hinbekommen.
Home Assistant Integration
Beide SolarVaults kommen in Home Assistant rein. Im Energy Dashboard sind dann alle Quellen gleichzeitig sichtbar: die SolarEdge Dachanlage, der SolarVault Pro Max mit den 6 Garagenmodulen und der SolarVault Pro mit den 4 Zaunmodulen. So kann ich direkt vergleichen, wie viel der Zaun bringt und wie viel das Garagendach. Dazu kommt der Speicher-SoC beider Geräte live im Dashboard. Wie das Einbinden genau funktioniert, ist in einem eigenen Teil dieser Serie ausführlich erklärt.
MaStR-Registrierung
Das muss kurz erwähnt werden, auch wenn es kein Spaßthema ist.
- Garage (Pro Max): Den bestehenden MaStR-Eintrag bearbeiten, Wechselrichterleistung von 1.200 Watt auf 2.500 Watt anpassen, Modulleistung aktualisieren.
- Garten (Pro): Neue Erzeugungsanlage im Marktstammdatenregister anmelden.
Eine Genehmigung vom Netzbetreiber ist seit Solarpaket I nicht mehr nötig. Das Anmelden geht, wenn man es einmal gemacht hat, relativ zügig.
Kosten im Überblick
| Produkt | Preis |
|---|---|
| SolarVault 3 Pro Max | 899 € |
| SolarVault Base | 49 € |
| 4x 500Wp Zaun-Module + Zaunmontage (Yuma Fence 2000+) | ~500-600 € |
| 2x 500Wp Garagendach-Module + Aufständerung | ~250-300 € |
| MC4-Y-Stecker + DC-Kabel | ~50-80 € |
| Outdoor-AC-Kabel (H07RN-F) | ~30-50 € |
| Gesamt (ohne Speicher-Upgrade) | ~1.800-2.000 € |
Das Speicher-Upgrade mit den drei weiteren BP2500 für insgesamt 12,6 kWh in der Garage kommt im zweiten Teil dieser Serie. Das Ziel bis Ende des Jahres: echte Daten aus Home Assistant auswerten und schauen, ob sich das Ganze tatsächlich so gelohnt hat wie ich mir das vorstelle. Daran darf mich gerne jemand erinnern.
Das ist übrigens Teil 1 von drei:
- Installation Zaun + Garagendach (dieser Artikel)
- Speicher-Upgrade mit 3x BP2500 auf 27,4 kWh gesamt
- Vorher vs. Nachher mit echten Daten und Kostenrechnung
Betreibst du selbst schon ein Zaunkraftwerk oder Balkonkraftwerk? Was hast du für Erfahrungen gemacht, gerade mit bifazialen Modulen?
