Dein Stromzähler kennt nur eine Richtung: aufwärts. Der Energiesensor in Home Assistant genauso, er zählt einfach immer weiter. Für die Frage "Was habe ich heute verbraucht?" hilft dir dieser Gesamtwert wenig. Genau dafür gibt es das Utility Meter: Es schneidet den endlosen Zählerstand in handliche Zeiträume und beantwortet Fragen wie "Wie viel diese Woche?" oder "Wie viel im Nachttarif?".
Im Video aus der ABC-Reihe lege ich Verbrauchszähler für Strom an und zeige die Tarif-Funktion in Aktion. Hier die Zusammenfassung. Das Prinzip funktioniert übrigens nicht nur für Strom, sondern genauso für Gas, Wasser oder Wärme, alles was sich aufsummieren lässt.
Was das Utility Meter macht
Das Prinzip ist simpel. Du gibst dem Utility Meter einen Quellsensor, etwa den Energiezähler deines Stromzählers oder einer Messsteckdose. Daraus erstellt es einen neuen Sensor, der bei null startet, den Verbrauch mitzählt und sich am Ende des gewählten Zyklus automatisch zurücksetzt.
Der alte Wert geht dabei nicht verloren, er steckt im Attribut des Sensors und in den Langzeitstatistiken. Du kannst also jederzeit vergleichen: dieser Monat gegen letzten Monat, diese Woche gegen die davor.
Die gängigen Zyklen:
| Zyklus | Reset | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Täglich | Mitternacht | Tagesverbrauch im Dashboard |
| Wöchentlich | Montag früh | Wochenvergleich |
| Monatlich | Monatserster | Abgleich mit der Stromrechnung |
| Jährlich | Jahreswechsel | Jahresabrechnung, Heizperiode |
Die Auswahl ist sogar noch größer: Es gibt auch viertelstündliche, stündliche, zweimonatliche und vierteljährliche Zyklen. Und ein Quellsensor kann mehrere Utility Meter speisen. Bei mir hängen an einem Zähler vier Helfer: Tag, Woche, Monat und Jahr.
Einrichtung über die Oberfläche
Der schnellste Weg führt über Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer → Helfer erstellen → Verbrauchszähler. Du wählst den Quellsensor, den Zyklus und einen Namen. Fertig. Kein Neustart nötig, der neue Sensor taucht sofort auf.
Wichtig bei der Quelle: Es muss ein Sensor sein, der Energie aufsummiert (kWh, m³), nicht die momentane Leistung in Watt. Das ist dieselbe Regel wie beim Energie-Dashboard, und es ist der häufigste Stolperstein. Liefert dein Gerät nur Wh statt kWh, hilft dir das Snippet zum Umrechnen von Wh in kWh.
Die Optionen im Dialog, kurz übersetzt
Beim Anlegen begegnen dir ein paar Häkchen, deren Beschreibungen, sagen wir mal, übersetzungsbedürftig sind. Hier die Kurzfassung:
- Versatz der Zählerrückstellung: Verschiebt den Reset um ganze Tage nach hinten, nur positive Werte sind erlaubt. Praktisch, wenn deine Abrechnungsperiode nicht am Monatsersten beginnt, sondern etwa am Fünften
- Nettoverbrauch: Erlaubt, dass der Wert auch sinken darf. Brauchst du fast nie, denn ein Verbrauch steigt normalerweise nur. Relevant wird das bei Zählern, die Bezug und Einspeisung verrechnen
- Differenzwerte: Für Quellen, die nicht den Zählerstand liefern, sondern nur die Differenz seit dem letzten Messwert. Sonderfall, im Zweifel aus lassen
- Regelmäßige Rückstellung: Aktivieren, wenn deine Quelle selbst gelegentlich auf null springt, etwa nach einem Neustart des Messgeräts. Das Utility Meter zählt dann trotzdem korrekt weiter
Dazu kommt die Option, den Sensor immer verfügbar zu halten. Die empfehle ich dir. Wenn deine Wallbox mal eine Stunde nicht erreichbar ist, willst du trotzdem weiter sehen, was bisher aufgelaufen ist, statt auf "nicht verfügbar" zu starren.
Einrichtung per YAML, inklusive Tarife
Per YAML geht dasselbe, mit einem Bonus: der Tarif-Funktion. Wer Hoch- und Niedertarif hat oder den Verbrauch nach PV-Überschuss und Netzbezug trennen will, legt Tarife an:
1utility_meter:
2 strom_taeglich:
3 source: sensor.stromzaehler_energie
4 cycle: daily
5 strom_monatlich:
6 source: sensor.stromzaehler_energie
7 cycle: monthly
8 tariffs:
9 - hochtarif
10 - niedertarifAus dem monatlichen Zähler entstehen so zwei Sensoren, einer pro Tarif, plus eine Select-Entität zur Umschaltung. Es zählt immer nur der aktive Tarif. Die Umschaltung übernimmst du am besten nicht von Hand, sondern per Automation: zeitgesteuert für klassische Nachtstrom-Tarife oder ausgelöst durch einen Sensor, etwa wenn die PV-Anlage einspeist.
Das eröffnet schöne Auswertungen. Du siehst dann schwarz auf weiß, welcher Anteil deines Verbrauchs im günstigen Zeitfenster lag, und ob sich das Verschieben der Waschmaschine wirklich lohnt.
Nach Änderungen an der YAML-Datei musst du die Konfiguration neu laden. Das geht ohne kompletten Neustart: Einstellungen → Drei-Punkte-Menü → Home Assistant neu starten → "Schnelles Neuladen". Erst wenn das nicht greift, ist der volle Neustart dran.
Mein Setup als Beispiel
Damit du eine Vorstellung bekommst, wie das in der Praxis aussieht: Bei mir zählt ein Utility Meter den gesamten Energieverbrauch der Wallbox mit, Stand der Aufnahme über 4.600 kWh und rund 1.350 Euro Ladekosten seit Beginn. Daneben laufen Monats- und Jahreszähler für dieselbe Quelle, dazu Wochenzähler für PV-Produktion und Einspeisung sowie Tages-, Monats- und Jahreswerte der Wärmepumpe. Wie so ein Wochenzähler für die PV-Anlage konkret aussieht, zeigt das Snippet zu den wöchentlichen Verbrauchszählern mit SolarEdge.
Ein Trick daraus lohnt sich besonders: der Zähler ohne Zyklus. Lässt du cycle einfach weg, läuft der Sensor endlos weiter und wird nie zurückgesetzt. So baust du dir einen Gesamtzähler ab Inbetriebnahme, etwa für die Frage "Was hat mich das E-Auto bisher insgesamt gekostet?":
1utility_meter:
2 wallbox_woechentlich:
3 source: sensor.wallbox_energie
4 cycle: weekly
5 wallbox_monatlich:
6 source: sensor.wallbox_energie
7 cycle: monthly
8 # ohne cycle: läuft einfach immer weiter, kein Reset
9 wallbox_gesamt:
10 source: sensor.wallbox_energieDen Kommentar mit "kein Reset" schreibe ich mir tatsächlich genau so in die Datei. In einem halben Jahr weiß ich sonst nicht mehr, warum der eine Zähler anders aussieht als die anderen.
Utility Meter und Energie-Dashboard
Brauchst du beides? Kommt drauf an. Das Energie-Dashboard liefert dir Tages- und Monatsansichten von selbst, dafür musst du kein Utility Meter anlegen.
Das Utility Meter spielt seine Stärke woanders aus: Seine Sensoren sind ganz normale Entitäten. Du kannst sie auf jede Dashboard-Karte legen, in Automationen verwenden oder per Benachrichtigung verschicken. "Heute schon 8 kWh verbraucht" als Push-Nachricht am Abend, eine Warnung wenn der Tageswert aus dem Rahmen läuft: Dafür brauchst du den Zähler als eigenen Sensor.
Tipps aus der Praxis
Vergib sprechende Namen mit Zeitraum, etwa sensor.strom_heute und sensor.strom_monat. Bei vier Zählern pro Quelle verlierst du sonst schnell den Überblick.
Und wundere dich nicht über den Startwert. Das Utility Meter beginnt erst ab dem Moment der Einrichtung zu zählen, rückwirkend gibt es nichts. Nach dem ersten vollen Zyklus stimmen die Werte dann dauerhaft.
Häufige Fragen
Was kostet das Utility Meter?
Nichts. Der Verbrauchszähler ist ein eingebauter Helfer von Home Assistant, du brauchst weder ein Abo noch eine Zusatzinstallation. Die einzige Voraussetzung ist ein Sensor, der den Verbrauch liefert, etwa eine Messsteckdose oder ein ausgelesener Stromzähler.
Warum zeigt mein Verbrauchszähler null oder gar nichts an?
Direkt nach dem Anlegen ist null normal, der Zähler startet erst ab dem Moment der Einrichtung. Bleibt er dauerhaft auf null, prüfe die Quelle: Sie muss aufsummierte Energie liefern (kWh), nicht die momentane Leistung in Watt. Ein Leistungssensor als Quelle ist der mit Abstand häufigste Fehler.
Kann ich vergangene Verbräuche nachträglich erfassen?
Nein, das Utility Meter zählt nur nach vorn. Werte aus der Zeit vor der Einrichtung lassen sich nicht nachtragen. Was du hast, sind die Langzeitstatistiken deines Quellsensors, die Home Assistant unabhängig vom Utility Meter führt. Für saubere Vergleiche wartest du am besten den ersten vollen Zyklus ab.
Brauche ich ein Utility Meter, wenn ich das Energie-Dashboard nutze?
Für die reine Anzeige von Tages- und Monatsverbrauch nicht, das macht das Energie-Dashboard von selbst. Sobald du die Werte aber weiterverwenden willst, etwa in einer Automation, einer Push-Nachricht oder auf einer eigenen Dashboard-Karte, brauchst du das Utility Meter. Nur seine Sensoren sind normale Entitäten, die du überall einsetzen kannst.
