Seit ich bei Tibber bin, habe ich den aktuellen Strompreis als Sensor in Home Assistant. Was im Alltag fehlte: der Hinweis im richtigen Moment. Wer denkt schon an die Preiskurve, bevor er den Trockner anwirft? Im Video baue ich deshalb eine Automation, die mir per Sprachausgabe sagt, wenn ich Waschmaschine, Spülmaschine oder Trockner zu einem teuren Zeitpunkt starte.
Wie du Tibber überhaupt in Home Assistant bekommst, steht im eigenen Beitrag zur Tibber-Integration. Hier geht es um die Warn-Automation.
Warnen statt abschalten
Eine wichtige Design-Entscheidung vorweg: Die Automation schaltet nichts ab. Sie warnt nur. Wenn die Wäsche jetzt trocken werden muss, dann startet der Trockner eben trotzdem, und ich ignoriere die Ansage. Ich will nur wissen, dass es gerade teurer ist als nötig. Die Entscheidung bleibt bei mir.
Genau das macht den Einstieg so einfach. Du brauchst keine smarte Steuerung deiner Geräte, nur die Information, dass sie laufen, und den aktuellen Strompreis.
Alte Geräte erkennen: Trockner mit Messsteckdose
Waschmaschine und Spülmaschine sind bei mir smart, die liefern ihren Betriebszustand direkt als Entität. Der Trigger prüft einfach, ob der Zustand von "inaktiv" beziehungsweise "bereit" auf "Lauf" wechselt.
Mein Trockner ist dagegen knapp zehn Jahre alt und so gar nicht smart. Die Lösung: eine smarte Steckdose mit Strommessung davor. Ein kleiner Template-Sensor schaut auf den gemessenen Verbrauch, und sobald der über null liegt, gilt der Trockner als eingeschaltet:
template:
- binary_sensor:
- name: 'Trockner Status'
state: "{{ states('sensor.trockner_verbrauch') | float(0) > 0 }}"Beim Einschalten springt der Verbrauch sofort hoch, im Video waren rund 2.000 Watt zu sehen, und der Sensor wechselt auf An. Damit ist ein zehn Jahre altes Gerät für ein paar Euro warnfähig. Der dritte Trigger der Automation schaut dann einfach auf diesen Helfer.
Die Bedingungen: Preis und Speicherstand
Nach dem Trigger prüft die Automation zwei Bedingungen, die beide zutreffen müssen. Dafür gibt es in der Automation den UND-Baustein, den du über "Baustein hinzufügen" einfügst. Ohne ihn wären mehrere Bedingungen als ODER verknüpft, und das wäre hier falsch.
Erstens: Der aktuelle Strompreis aus der Tibber-Integration liegt über meinem Grenzwert. Im Video waren das 39 Cent pro Kilowattstunde, der Wert hängt natürlich von deinem Tarif und deiner Schmerzgrenze ab.
Zweitens: Mein Hausspeicher ist unter 40 Prozent. Denn wenn die Batterie gut gefüllt ist, läuft der Trockner sowieso aus eigenem Strom, dann ist der Börsenpreis egal. Angefangen hatte ich mit 20 Prozent, das war zu knapp: Ein einziger Trocknergang zieht den Speicher sonst sofort leer. Wer keinen Speicher hat, lässt diese Bedingung einfach weg.
Sprachausgabe mit dem aktuellen Preis
Bei den Aktionen nutze ich den Auswahl-Baustein mit drei Optionen, eine pro Gerät. Je nachdem, welcher Trigger ausgelöst hat, kommt eine passende Ansage über die Sonos-Box in der Küche, erzeugt mit dem Text-to-Speech-Dienst von Google. Die Nachricht enthält den Preis live aus dem Sensor, sinngemäß: "Der aktuelle Strompreis beträgt 0,34 Euro pro Kilowattstunde. Es wäre besser, den Geschirrspüler später einzuschalten, um Geld zu sparen."
Bevor du das in die Automation einbaust, teste das Template in den Entwicklerwerkzeugen unter "Template". Dort fügst du den Ausdruck mit deinem Preissensor ein und siehst sofort, was die Ansage später ausgeben würde. Das erspart dir Überraschungen wie kryptische Rohwerte in der Sprachausgabe. Statt Sprachausgabe geht natürlich auch eine Push-Nachricht aufs Handy, die Aktion tauschst du einfach aus. Die Grundlagen zu Triggern, Bedingungen und dem Auswahl-Baustein erklärt der Guide zu Automationen.
Die komplette Automation zum Kopieren findest du in meinem Snippet zur Strompreis-Warnung.
Häufige Fragen
Funktioniert das auch ohne smarte Haushaltsgeräte?
Ja, dafür ist der Trockner-Trick da. Eine smarte Steckdose mit Strommessung plus ein kleiner Template-Sensor reichen, um den Betriebszustand jedes alten Geräts zu erkennen. Sobald der gemessene Verbrauch über null steigt, gilt das Gerät als an.
Welcher Preis-Grenzwert ist sinnvoll?
Das hängt von deinem Tarif ab. Im Video habe ich 39 Cent pro Kilowattstunde gewählt, weil das damals deutlich über dem Tagesdurchschnitt lag. Schau dir den Preisverlauf deiner letzten Wochen an und setz den Grenzwert so, dass nur echte Preisspitzen eine Warnung auslösen.
Warum prüft die Automation den Batteriespeicher mit?
Weil eine Warnung sinnlos ist, wenn das Haus gerade aus dem eigenen Speicher läuft. Erst wenn die Batterie unter 40 Prozent liegt und der Strom teuer ist, kommt die Ansage. Ohne PV-Anlage und Speicher lässt du die Bedingung weg, der Rest funktioniert genauso.
Kann ich statt der Sprachausgabe eine Push-Nachricht bekommen?
Klar. Statt des Text-to-Speech-Aufrufs nimmst du die Notify-Aktion der Home Assistant Companion App. Das Nachrichten-Template mit dem aktuellen Preis bleibt dasselbe, nur das Ziel ändert sich. Beides parallel geht auch.
