Home Assistant auf Proxmox installieren
Home Assistant als VM auf Proxmox installieren: Boot-Stick erstellen, Proxmox aufsetzen, HA OS per Helper-Script einrichten. Mit USB-Passthrough und Backups.
Warum Proxmox statt direkter Installation?
Du kannst Home Assistant OS direkt auf einen Mini-PC schreiben. Dann gehört die Hardware aber komplett Home Assistant. Mit Proxmox schiebst du eine Virtualisierungsschicht dazwischen: Home Assistant läuft als virtuelle Maschine und daneben ist Platz für alles, was sich im Smart-Home-Leben sonst noch ansammelt. AdGuard, Frigate für Kameras, eine Nextcloud, ein Pi-hole.
Die drei Argumente, die für mich den Ausschlag geben:
- Snapshots: Vor jedem Update ein Klick, und wenn etwas schiefgeht, bist du in Sekunden zurück auf dem alten Stand. Das entspannt enorm.
- Backups: Proxmox sichert die komplette VM, zusätzlich zu den Home-Assistant-Backups. Doppelter Boden.
- Flexibilität: Mehr RAM für die VM? Zweite Test-Instanz? Beides sind zwei Klicks, kein Neuaufsetzen.
Der Preis dafür: eine zusätzliche Schicht, die du verstehen und pflegen musst. Für den allerersten Einstieg ins Smart Home würde ich deshalb beim normalen Installationsweg bleiben. Wenn du aber einen Mini-PC hast und mehr damit vorhast als nur Home Assistant, ist Proxmox die richtige Wahl.
Was ist Proxmox überhaupt?
Proxmox VE (Virtual Environment) ist ein kostenloses Open-Source-Betriebssystem für Virtualisierung, das du statt Windows oder Linux direkt auf den Rechner installierst. Verwaltet wird alles über eine Weboberfläche im Browser. Die kostenlose Version reicht für den Heimgebrauch vollkommen, das Abo brauchen nur Firmen mit Support-Bedarf. Die Meldung „Kein gültiges Abonnement" beim Login darfst du also getrost wegklicken.
Die passende Hardware
Proxmox plus Home Assistant läuft auf erstaunlich schwacher Hardware, aber etwas Reserve lohnt sich, weil später garantiert weitere Dienste dazukommen:
| Komponente | Minimum | Empfehlung |
|---|---|---|
| CPU | 2 Kerne (x86-64) | 4+ Kerne, z.B. Intel N100 oder gebrauchter i5 |
| RAM | 8 GB | 16 GB |
| Speicher | 64 GB SSD | 256+ GB NVMe |
| Netzwerk | LAN-Anschluss | LAN, kein WLAN für den Server |
Gebrauchte Mini-PCs (Lenovo ThinkCentre Tiny, Dell OptiPlex Micro, HP EliteDesk Mini) sind dafür ideal: leise, sparsam, ab etwa 80 € zu haben.
Schritt 1: Proxmox-Boot-Stick erstellen
- ISO herunterladen: Auf proxmox.com das aktuelle „Proxmox VE ISO Installer"-Image laden
- USB-Stick schreiben: Mit Balena Etcher (Windows, Mac, Linux) das ISO auf einen Stick mit mindestens 4 GB schreiben: Stick rein, ISO wählen, Stick wählen, Flash
- Warten: Etcher verifiziert das Ergebnis automatisch. Danach ist der Stick startklar
Hinweis: Der Stick wird dabei komplett gelöscht. Und falls Windows nach dem Schreiben meldet, der Stick müsse formatiert werden: ignorieren, das ist normal. Linux-Dateisysteme kann Windows nur nicht lesen.
Schritt 2: Proxmox auf dem Mini-PC installieren
- Vom Stick booten: Mini-PC einschalten und das Boot-Menü öffnen (je nach Hersteller F7, F11, F12 oder Esc), den USB-Stick auswählen
- Installer starten: „Install Proxmox VE (Graphical)" wählen
- Ziel-Festplatte wählen: Achtung, sie wird vollständig gelöscht
- Region und Passwort: Land, Zeitzone, ein starkes Root-Passwort und deine E-Mail-Adresse eintragen
- Netzwerk konfigurieren: Hier vergibst du die feste IP-Adresse des Servers, zum Beispiel
192.168.1.10. Notier sie dir - Neustarten und den Stick abziehen
Ab jetzt braucht der Mini-PC weder Monitor noch Tastatur. Die Verwaltung läuft im Browser unter https://DEINE-IP:8006 (die Zertifikatswarnung ist normal, einfach fortfahren). Anmeldung mit Benutzer root und deinem Passwort.
Schritt 3: Home Assistant OS als VM installieren
Jetzt kommt der angenehme Teil. Du könntest die VM von Hand anlegen, das qcow2-Image importieren und ein Dutzend Einstellungen setzen. Oder du nutzt die Proxmox VE Helper-Scripts der Community, die genau das automatisieren und dabei alle empfohlenen Einstellungen treffen.
- In der Proxmox-Weboberfläche links deinen Server (Node) anklicken → Shell öffnen
- Auf community-scripts.github.io/ProxmoxVE das Script „Home Assistant OS VM" suchen und den dort angezeigten Befehl kopieren
- Befehl in die Shell einfügen, Enter, und die Fragen des Scripts beantworten. Die Standardwerte (2 Kerne, 4 GB RAM, 32 GB Disk) passen für die meisten Setups
- Nach ein paar Minuten taucht die neue VM links in der Liste auf und startet
Danach läuft das normale Home-Assistant-Onboarding: Im Browser http://homeassistant.local:8123 öffnen und dem Erster-Start-Guide folgen.
Tipp: Führe nur Scripts aus Quellen aus, denen du vertraust. Die Helper-Scripts sind quelloffen, der Code lässt sich vor dem Ausführen auf GitHub lesen. Das Projekt wird von der Community aktiv gepflegt.
USB-Passthrough: Zigbee-Stick in die VM bringen
Dein Zigbee- oder Z-Wave-Stick steckt physisch im Mini-PC, aber die VM weiß nichts davon. Du musst ihn durchreichen:
- VM in Proxmox auswählen → Hardware → Add → USB Device
- Use USB Vendor/Device ID wählen und den Stick aus der Liste auswählen (z.B. „Sonoff Zigbee 3.0 USB Dongle")
- VM neu starten
Die Variante über die Vendor/Device-ID hat einen praktischen Vorteil: Der Stick wird auch dann wiedergefunden, wenn du ihn mal in einen anderen USB-Port steckst. In Home Assistant taucht er danach wie gewohnt unter Zigbee & Z-Wave auf.
Snapshots und Backups richtig nutzen
Meine Routine, die sich bewährt hat:
- Vor jedem Home-Assistant-Update: Snapshot der VM (VM → Snapshots → Take Snapshot). Geht das Update schief, bist du mit „Rollback" in unter einer Minute zurück
- Wöchentlich automatisch: Proxmox-Backup der ganzen VM auf eine zweite Platte oder ein NAS (Datacenter → Backup → Add). Ein Job, einmal eingerichtet, nie wieder angefasst
- Zusätzlich: Die normalen Home-Assistant-Backups weiterlaufen lassen, am besten mit Ablage außerhalb des Servers
Snapshots ersetzen keine Backups: Sie liegen auf derselben Platte wie die VM. Stirbt die SSD, sterben beide.
Häufige Fragen
Wie viel RAM und CPU braucht die Home-Assistant-VM?
2 CPU-Kerne und 4 GB RAM sind der bewährte Standard und reichen auch für größere Setups mit über 100 Geräten. Mehr lohnt erst, wenn du in der VM rechenintensive Add-ons wie Kamera-Objekterkennung laufen lässt. Die lagere ich allerdings lieber in eigene Container aus.
Läuft Home Assistant in der VM langsamer als nativ?
Praktisch nicht messbar. KVM-Virtualisierung kostet wenige Prozent Leistung, auf einem Mini-PC mit x86-CPU bleibt Home Assistant damit deutlich schneller als auf einem Raspberry Pi.
Kann ich meine bestehende Installation nach Proxmox umziehen?
Ja, und zwar erstaunlich schmerzfrei: Vollständiges Backup in Home Assistant erstellen, neue VM auf Proxmox aufsetzen, beim Onboarding „Aus Backup wiederherstellen" wählen. Alle Geräte, Automationen und Dashboards sind danach wieder da. Nur der Zigbee-Stick muss per USB-Passthrough neu durchgereicht werden.
Was ist mit Updates von Proxmox selbst?
Unter Node → Updates einspielen, am besten nachdem du die No-Subscription-Paketquelle aktiviert hast (das bieten die Helper-Scripts als „Post Install"-Script an). Ein Proxmox-Update alle paar Wochen reicht, es muss nicht jede Version sofort sein.
Proxmox oder Docker für Home Assistant?
Mit Proxmox und HA OS bekommst du das volle Paket inklusive Add-on-Store, Supervisor und eingebauten Backups. Im Docker-Container läuft nur der Core, Add-ons musst du als separate Container selbst pflegen. Wer nicht schon ein eingespieltes Docker-Setup hat, fährt mit Proxmox entspannter.
Weiter lesen:
Passende Videos
Home Assistant auf Proxmox installieren: Schnelle Einrichtung als VM
Ich zeige, wie ich Home Assistant mit den Proxmox Helper Scripts als virtuelle Maschine installiere. Schritt-für-Schritt-Anleitung, Voraussetzungen und Besonderheiten.
Proxmox auf Mini-PC installieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Ich zeige Schritt für Schritt, wie ich Proxmox auf einem Mini-PC installiere, von BIOS-Einstellungen bis zur Weboberfläche. Technisch fundiert und praxisnah.
Bootfähigen USB-Stick für Proxmox mit Balena Etcher erstellen
Ich zeige, wie ich mit Balena Etcher einen bootfähigen USB-Stick für Proxmox erstelle und welche technischen Besonderheiten dabei zu beachten sind.
